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Napoleon von Cospeda

Heinrich Alexander Winkler

Die von Dr. Michael und Isolde Winkler herausgegebene Neuveröffentlichung befasst sich mit dem früheren Wirt der Gaststätte „Grüner Baum zur Nachtigall", Walter Lange. Er sah Napoleon so ähnlich, dass er für dessen illegitimen Nachfahren gehalten wurde. Möglich wäre das gewesen: Das Dorf Cospeda lag nahe Jena unmittelbar am Rande des Schlachtfeldes und der Stelle, von der aus der Franzosenkaiser seine Truppen befehligte.

Napoleon in Weimar

Napoleon in Weimar

Tiffany Tabbert

Wie Napoleon Bonaparte auf Wieland und Goethe traf

Weimar geriet aufgrund der Doppelschlacht im Oktober 1806 von Jena und Auerstedt ziemlich in Mitleidenschaft. Es musste 60 000 plündernde französische Soldaten beherbergen und verköstigen. Auch bei Christoph Martin Wieland fiel ein Trupp ein und ließ sich seinen guten Wein schmecken. Er beschrieb die Franzmänner später als „sehr manierlich" und war erstaunt über die Freundlichkeit, die sie ihm entgegenbrachten.

Fortan kämpfte das sächsisch-weimarische Heer von Herzog Carl August nicht mehr für die Preußen, sondern war Teil Napoleon Bonapartes Grande Armeé.

Als Bonaparte persönlich in Thüringen weilte, lud er Johann Wolfgang von Goethe zum Rat des geheimen Consiliums ein. Dieser schlug die Einladung aus unbekannten Gründen ab und schob seinen schlechten Gesundheitsstand als Ausrede vor. Auch beim zweiten Aufenthalt des Monarchen in Weimar kam es zu keiner Audienz, da sich Goethe zu dieser Zeit in Karlsbad befand.

Napoleon kam 1808 ein drittes Mal - zum Fürstenkongress nach Erfurt. Hier traf er sich mit dem russischen Zaren Alexander und weiteren Königen und Herzogen. Und endlich kam es auch zum Treffen mit Goethe (Herzog Carl August bat diesen, dem Kongress beizuwohnen). Sie sprachen unter anderem über Die Leiden des jungen Werther und die Vermischung der Motive „Ehrgeiz" und „leidenschaftliche Liebe". Viel rezitiert wurde auch Napoleons Ausspruch „Vous êtes un homme" (nach anderer Lesart „Voilà un homme" zu deutsch: „Was für ein Mann!"). Betrachtet man allerdings die Umstände des Treffens - Goethe konnte zweimal der Einladung nicht folgen - erscheint Napoleons Begrüßung im anderen Licht: Endlich traut sich der Kerl mich zu treffen!

Goethe und Wieland bei Napoleon in Erfurt
Goethe und Wieland bei Napoleon in Erfurt

Am 6. Oktober sollte in Weimar nach einer Treibjagd, einem Dinner und einer Theateraufführung von Voltaires La mort de Cesar ein großer Ball folgen zu dem Goethe und auch Wieland eingeladen wurden. Dieser wollte allerdings weder am Hofe erscheinen, noch den Ball besuchen:

Aber Napoleon fragte zweymal nach mir, u schien verwundert, da er mich im Schaupsiel in einer seinem Sitze ziemlich nahem Loge gesehen hatte, mich nicht beym Bal zu sehen - dies ließ mir die Herzogin wissen pp. u nun war kein andrer Rath als mich in den Hofwagen, der mir geschickt wurde zu setzen und - in meinem gewöhnlichen accoutrement, das ist eine Calotte auf dem Kopfe, ungepudert ohne Degen, u in Tuchstiefeln (übrigens anständig costumiert) im Tanzsahl zu erscheinen.

Napoleon erkannte in Wieland, trotz seines Erfolges als Dichter, Schriftsteller und Herausgeber, einen alten anspruchslosen Mann. Und auch Wieland hatte das Gefühl, der Monarch sprach mit ihm, als würden sie sich schon Jahre kennen. Nach eineinhalb Stunden bat der mittlerweile 75-jährige Dichter, von Napoleon entlassen zu werden, da ihm das lange Stehen nicht mehr erträglich war. Seine Bitte wurde freundlich angenommen.

Zwei Tage später wurde er nach Erfurt eingeladen um sich tags darauf am Hofe zu Vergnügen und den Kaiser „frühstücken zu sehen". Jedoch viel ihm auf, das Napoleon nicht mehr so „heiter" wie Tage zuvor in Weimar war... Noch in derselben Woche wurde Wieland von Napoleon der Orden der Ehrenlegion (Goetheerhielt diesen am 14. Oktober) und von Zar Alexander der St.-Annen-Ordnen verliehen.

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Vorschaubild: Napoleon Bonaparte - Bildqualität verbessert durch Andreas Werner, gemeinfrei

Goethe und Wieland bei Napoleon in Erfurt, gemeinfrei