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Die Päpste als Friedensvermittler

Der Kirchenhstoriker Stefan Samerski stellt die Friedenspolitik und -Arbeit des Heiligen Stuhls in der modernen Zeit heraus.

Die Nixe in der Ilm

Die Nixe in der Ilm

Der verhängnisvolle Bettler

Einstmals, vor langer, langer Zeit, erfolgten in Weimar, laut städtischem Sagenschatz, merkwürdige und unheimliche Ereignisse. Davon beschreiben mehrere die berüchtigte Ilmnixe, welche in ihrem Ilmschloss unterhalb der Wasseroberfläche im Bereich der „Kalten Küche“ (im unteren Teil des heutigen Ilmparks) lebte. Vielen Weimarern sei sie erschienen. Eine dieser Sagen soll nun hier erzählt werden.

Carolin Eberhardt

Die Nixe in der Ilm


m 30.Juni 1617 begab es sich, dass die verwitwete Herzogin Dorothea Maria von Weimar mit einem Reitertrupp nach Oberweimar ritt. Ihr Rückweg führte sie durch die Kalte Küche, genauer das Gebiet zwischen dem jetzigen Dessauer Stein und der Schillerbank an der Ilm. Als sie so neben der Ilm entlang ritten, wurde die Herzogin eines Bettlers oder einer Bettlerin gewahr, genau konnte sie es nicht erkennen, der oder die am Ilmufer saß. Um ein Almosen zu übergeben, griff sie nach ihrem Geldbeutel und näherte sich, zu Pferd, dem Bettler. Unerwartet und plötzlich scheute jedoch ihr Pferd und ritt in der Folge mit der Herzogin vom Pfad ab, hinunter zur Ilm, wo es sie in das kalte Wasser abwarf. Das herzogliche Gefolge sprang sogleich hinter der Edelfrau her, konnte sie vor dem Ertrinken retten, doch die Freude über ihre Rettung währte nur kurz. Denn schon 12 Tage nach geschildertem Ereignis erkrankte die Herzogin schwer, vermutlich infolge des Schreckens, des Sturzes und der Durchnässung, und wurde von besagter Krankheit am 18.Juli hingerafft. Der vermeintliche Bettler aber ward von dem Augenblick, als das scheuende Pferd in den Fluss sprang, nicht mehr gesehen, so dass sich allgemein der Glaube festsetzte, es handle sich dabei um ein Gespenst oder die verkleidete Ilmnixe. Später wurden viele Geschichten über die Sichtung der Gestalt an nahezu der Stelle geschildert, meist in Gestalt eines Mannes mit runzeligem Gesicht, langer Kutte, Kniehosen und einem dreieckigen Hütchen, welcher sich auf den Stock stütze und in der Dämmerstunde an der Kalten Küche sitze und in die Ilm stiere, woraufhin das Wasser des Flusses wildbrausend an ihre Ufer schäume.

An der Unfallstelle wurde wohl gleich darauf ein Erinnerungsstein errichtet, welcher, mit lateinischen Versen versehen, auch die Erscheinung erwähnt: "Spectrum pellit equum" (Die Erscheinung erschreckte das Pferd). Dieser Stein ist allerdings schon wenige Zeit später verschwunden.



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Vorschaubild:

Gemälde: Die Versuchung der Meerjungfrau, 1921, Urheber: Ferdinand Leeke via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Image du film La Sirène (1904) de George Méliès via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Textquelle:

In Anlehnung an: Mitzschke, Paul; Mitzschke, Ellen: Sagenschatz der Stadt Weimar und ihrer Umgegend, 1904, Weimar, S. 60f;

neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.

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