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Familie Stauffenberg: Hitlers Rache

Ursula Brekle

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg war als Ehefrau von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Schlüsselfigur im Widerstand gegen Hitler, von Anfang an in die Widerstandspläne ihres Mannes einbezogen. Sie bewies Mut und Stärke, obwohl sie nach der Ermordung ihres Mannes im Gefängnis und im KZ leben musste. Auch durch den Verlust von Angehö-rigen durchlebte sie eine leidvolle Zeit. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 drohte Himmler:
„Die Familie Stauffenberg wird ausgelöscht bis ins letzte Glied.“
Vor Ihnen liegt die spannungsreiche Geschichte, die beweist, dass es Himmler nicht gelungen ist, die Drohung wahrzumachen. Die jüngste Tochter von fünf Geschwistern Konstanze wurde noch während der mütterlichen Haft geboren. Sie berichtete vom 90. Geburtstag ihrer Mutter Nina, auf dem über 40 Nachkommen zusammengekommen waren. Die Nationalsozialisten haben trotz Hinrichtungen und perfider Sippenhaft nicht gewonnen.

Das Leichenhaus

Das Leichenhaus

Carolin Eberhardt

Das erste Leichenhaus Deutschlands

1792 eröffnete, auf Empfehlung des königlichen Leibarztes Christoph Wilhelm Hufeland, das erste Leichenhaus in Weimar seine Türen. Sehr fortschrittlich erscheint diese Tatsache für das 18. Jahrhundert. Inspiriert durch Johann Peter Falk, welcher seinerseits als erster deutscher Arzt über die Gefahr des Lebendigbegrabenwerdens aufklärte und diesbezüglich Sicherheitsvorkehrungen empfahl, publizierte Hufeland zunächst 1791 die Schrift Über die Ungewissheit des Todes und das einzig untrügliche Mittel, sich von seiner Wirklichkeit zu überzeugen. Mit der Errichtung des Leichenhauses im darauf folgenden Jahr vollbrachte der aus Langensalza stammende Arzt eine Pionierleistung. Einen Mehrnutzen schuf er, gegenüber den Empfehlungen seines Vordenkers Falk, dahingehend, dass er bei der Nutzung einer solchen Einrichtung nicht nur die Gefahr für die Scheintoten zu beseitigen gesuchte, sondern die Möglichkeit zur Abschiednahme für trauernde Angehörige und, damit verbunden, die Aufbewahrung für Leichen ermöglichte.

Durch regen Zuspruch innerhalb der Weimarer Bevölkerung fanden sich schon kurz nach seiner Publikation Förderer, so dass Hufeland mit der Planung und der Aufsicht des Baus betraut wurde. Auf dem einstigen Friedhof des Jakobskirchhofes wurde nun ein Leichenhaus errichtet, welches ein großes Zimmer mit Platz für 8 Leichen umfasste. Die Erwärmung erfolgte durch Ofenröhren, die unter dem Fußboden verliefen. Ebenfalls verfügte das Gebäude über Zugröhren, um eine beständige Lufterneuerung gewährleisten zu können. An den beschriebenen Raum angrenzend befand sich ein Pförtnerzimmer, welches dem Wachhabenden durch ein Glasfenster in der Tür eine ständige Beobachtung der Leichen erlaubte. Sowohl die Decke des Hauptraumes als auch der Wachstube waren 12 Fuß hoch und verfügten über gewölbte Decken.

Um eine optimale Versorgung der Scheintoten gewährleisten zu können, ließ Hufeland neben den erwähnten Zimmern ebenfalls noch eine Küche für die Nutzung warmer Bäder einrichten. Sehr gewissenhaft instruierte Hufeland die zuständigen Wächter über mögliche Lebenszeichen. Damit sich die Möglichkeit minimierte, dass die Wachhabenden diese Zeichen übersehen konnten, setzte der Arzt sogar eine Prämie an für denjenigen, welcher zuerst Lebenszeichen entdecken konnte. Doch der königliche Leibarzt ging sogar noch weiter: Wie zuvor an den Gräbern üblich, bestand er darauf, dass an den Händen und Füßen der Toten Bänder angebracht wurden, welche mit einer Glocke in Verbindung standen, und die bei der kleinsten Bewegung schellen sollte.

Einige Jahrzehnte wurde das Gebäude von der Weimarer Bevölkerung für die letzte Fürsorge ihrer Verstorbenen genutzt. Innerhalb der Napoleonischen Kriege erlitt es allerdings einen solchen Verfall, dass die weitere Nutzung unzumutbar wurde. Das zweite in Deutschland eröffnete Leichenhaus wurde 1795 in Berlin eingerichtet. Weitere folgten nach dem Vorbild Hufelands 1805 in Mainz, 1807 in Paris sowie 1808 in München. Die stetige Weiterentwicklung und Verbesserung der Einrichtung führte 1828 zu der Eröffnung des bisher modernsten Leichenhauses in Frankfurt am Main. Weitere vier Jahre danach verfasste der großherzogliche sächsische Amts-Physicus Carl Wilhelm Schwabe eine ausführliche Ordnung zur richtigen Benutzung der eingerichteten Häuser. Darin enthalten waren weitere Instruktionen für die beteiligten Berufsgruppen der Friedhofsaufseher sowie der Totenwärter.

Nach dem Verfall des ursprünglichen Leichenhauses in Weimar, welcher unter anderem auch der fehlenden Zuwendung und Instandhaltung zuzuschreiben ist, wurde das Gebäude zuletzt nur noch als Leichenkammer genutzt. Von dem ursprünglichen Leichenhaus ist heute nichts mehr erhalten.

Da es auf dem Friedhof im Stadtzentrum bald an Begräbnisstätten mangelte, ließ Großherzog Carl August 1818 mehrere Ackerflächen in „angemessener Entfernung zur Stadt“ (Schwabe) zu einem neuen Friedhof umgestalten. Auf dem noch heute genutzten Hauptfriedhof Weimars entstand nun mehr das zweite Leichenhaus der Stadt. Die Notwendigkeit für die Nutzung der Leichenhäuser in der ursprünglich von Hufeland gedachten Funktion wurde schon bald durch die beschlossenen Gesetzte zur Leichenbeschau geschmälert, so dass folgend die Einrichtung nur noch für die Aufbewahrung der Leichen sowie die Aufbahrung dieser für die Hinterbliebenen genutzt wurde, und nicht, um das Begraben von Scheintoten zu vermeiden.


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Textquelle:

Schwabe, Carl Wilhelm: Das Leichenhaus in Weimar nebst einigen Worten über den Scheintod und mehrere jetzt bestehende Leichenhäuser, sowie über die zweckmässigste solcher Anstalten im Allgemeinen, 1834.


Bildquellen:

Vorschaubild: Stadtplan von Weimar, 1894, Entnommen aus: Meyers Reiseführer, Wegweiser durch Thüringen von Anding und Radefeld, 12. Auflage, bearbeitet unter Mtiwirkung des Thüringerwald-Vereins, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1894 via Wikimedia Commons gemeinfrei .

Plan des Historischen Friedhofs (Weimar): Grundriss mit Erweiterung nach Südwesten (1859), 2015, Urheber: Hajotthu via Wikimedia Commons CC BY 3.0 .

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