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Christoph Werner

Schloss am Strom
Roman


Schinkel kämpft in seinen Fieberträumen um die Vollendung seines Bildes "Schloss am Strom". Er durchlebt auf seinem Krankenbett noch einmal sein erfülltes und von krankmachendem Pflichtgefühl gezeichnetes Leben und die Tragik des Architekten und Künstlers, der sich zum Diener des Königs machen ließ

Travertinsteinbruch Weimar-Ehringsdorf

Travertinsteinbruch Weimar-Ehringsdorf

Ursula Krieger

Stein-Zeit-Zeichen aus dem Travertin

Travertinsteinbruch Weimar-Ehringsdorf
Travertinsteinbruch Weimar-Ehringsdorf

Die Travertine im Stadtgebiet von Weimar werden seit dem 18.Jh. abgebaut, und noch heute bilden die Fundstücke, die sie mitunter freigeben, eine einzigartige Brücke in die Vergangenheit.

Wenn es um Steine und Urgeschichte geht, kommt man an Goethe nicht vorbei, war er doch auch Naturwissenschaftler. In seiner umfangreichen, ca. 18 000 Stücke umfassenden Mineralien- und Fossiliensammlung befinden sich auch 100 Proben Travertin aus der Umgebung Weimars, in dem sich u.a. ein Kranich-Ei erhalten hat. Mit einem zwei Meter langen fossilen Elefantenstoßzahn beschäftigte sich Goethe noch kurz vor seinem Tod. Goethes Sohn August nahm 1823 im Steinbruch ein geologisches Profil auf, das von Goethe korrigiert wurde. In seiner wissenschaftlichen Genauigkeit besitzt es noch heute Gültigkeit. In Belvedere, unmittelbar beim Roten Turm, in dem Goethe und Herzog Karl August botanische Studien betrieben, steht ein Denkstein aus Travertin. Er weist auf die Entstehungsgeschichte und die Bedeutung des sogenannten Ilmtaltravertins hin, entdeckte man doch hier die Spuren von Steinzeitmenschen.

Spuren der warmzeitlichen Pflanzenwelt, u.a. Hohlräume von Ästen
Spuren der warmzeitlichen Pflanzenwelt, u.a. Hohlräume von Ästen

Das Areal der Kalksteinbrüche gehört zu den ältesten Siedlungsgebieten Weimars, und das Travertinlager Weimar-Ehringsdorf zählt weltweit zu den bemerkenswertesten Orten, die reich sind an archäologischen und paläontologischen Fundstellen aus dem Eiszeitalter. Hier verbinden sich die Erdgeschichte und die Menschheitsgeschichte miteinander.

An den Karstwasserquellen haben sich mächtige Süßwasserkalke abgelagert, in deren Schichten sich eine warmzeitliche Flora und Fauna gut erhalten hat, die im Travertin versiegelt wurde. Es konnten Blatt- und Fruchtabdrücke sowie Hohlräume von kleinen Bäumen entdeckt werden. Auch Berberitze, Wildrose, Weinreben, Liguster und Flieder wurden nachgewiesen.

Die Ehringsdorfer Formation belegt anschaulich durch Fossilien, dass Sumpfschildkröte, Wildschwein, Höhlenlöwe, Waldelefant, Waldnashorn, Braunbär, Rotwild, (Mammut und Ren) hier beheimatet waren. Wie die eiszeitlichen Großsäuger wurden auch Menschen, die als Sammler und Großwildjäger lebten, von den Quellen angezogen, denn es boten sich günstige Jagdmöglichkeiten und Rastplätze. Im Siedlungshorizont mit Resten einstiger Lagerfeuer fanden sich bereits 1907 zertrümmerte Tierknochen und Steinwerkzeuge der Eiszeitmenschen.

Von den Skelettteilen der sieben altsteinzeitlichen Menschen, die seit 1908 gefunden wurden, nimmt man an, dass es sich um fossile Reste sehr früher Neandertaler handelt. Die neuere Forschung gibt das Alter der interessantesten fundführenden Schichten mit ca. 230 000 Jahren an. Somit hat dieser bemerkenswerte Fundort weltweite Bedeutung für die anthropologische Forschung.

Travertinwand
Travertinwand

1998 wurde der Teil des Steinbruches, der den Forschungspfeiler und den 33 m breiten Bereich der Fischerwand enthält, als geschützter Landschaftsbestandteil unter Naturschutz gestellt, da er neben seiner archäologischen Bedeutung auch als Biotop und Geotop eine hohe Schutzwürdigkeit und Schutzbedürftigkeit besitzt. Hier siedelten sich bestandsgefährdete Tier- und Pflanzenarten an, denen das Steinbruchgelände als Wuchsort, als Nahrungs-, Ruhe- oder Überwinterungsplatz dient.

Das „Archäologische Freigelände Weimar-Ehringsdorf“ wurde 2009 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der interessierte Besucher erhält durch Tafeln, die auf Travertinblöcken befestigt sind, Informationen über die geologische Entstehung des Travertinlagers, zu Flora und Fauna der Frühzeit, zu Lebens- und Umweltbedingungen des Steinzeitmenschen.

Die steil aufragende Travertinwand des Forschungspfeilers beeindruckt und macht im Travertinprofil die geologischen Schichtenverhältnisse sichtbar. Zum Tag des Geotops, am 3. Sonntag im September, finden im Freigelände fachkundige Führungen statt.

Ein Rastplatz lädt zum Verweilen ein.

In der ehemaligen Ehringsdorfer Gaststätte „Zur Linde“, heute Vereinshaus des Heimatvereins, setzte der Maler und Grafiker Siegfried Kötschau (1886 - 1954) dem „Ehringsdorfer Urmenschen“ 1951 ein Denkmal in Form eines Wandgemäldes, das in humorvoller Weise eine vorgeschichtliche Gesellschaft zeigt.

Dort hätte Goethe wohl einen Schoppen Wein bestellt und sich zu den deftig-urigen Gesellen passende Zeilen notiert.

Wer mehr über das Aussehen und die Lebensbedingungen der Ehringsdorfer Urmenschen wissen möchte, kann ihnen im Weimarer Museum für Ur- und Frühgeschichte begegnen …

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Fotos von Andreas Werner


Quellen

Steiner, W. 1979: Der Travertin von Ehringsdorf und seine Fossilien

Arenhövel, C. 1998: Geschützter Landschaftsbestandteil „Travertinsteinbruch Ehringsdorf“

In Rathauskurier, Amtsblatt der Stadt Weimar, 5/1998

Schüler, T. 2009: Steinzeit zum Erleben – in Neue Ausgrabungen und Funde in Thüringen 5/2009

Travertinsteinbruch Weimar-Ehringsdorf

Heinweg 10
99425 weimar

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