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Goethe hat ihn bewundert

Goethes Begegnungen mit Felix Mendelssohn Bartholdy von Horst Nalewski. plus Musik CD

(2011, erschienen im Bertuch Verlag)

Nadelöhr

Durch engen Spalt zu Goethe

Wer auf kürzestem Weg vom Beethovenplatz in Richtung von Goethes Gartenhaus im Park an der Ilm geht und dabei die Natursteintreppe zum Fluss hinuntersteigt, muss durch eine enge Felsformation hindurch, die Nadelöhr genannt wird. Sie ist künstlich angelegt. Das Arrangement ist Teil der Parkanlage, die sich am „englischen Garten" orientiert hat. Das bedeutet, dass der Park nicht, wie etwa der hinter dem Schloss von Versailles in strenger Gliederung und geometrischer Anordnung angelegt wurde, sondern möglichst naturnah, abwechslungs- und spannungsreich mit vielen romantischen „Tupfern" gestaltet ist. Der englische Garten hatte zum Zweck, ein erleb- und begehbares Landschaftsgemälde zu sein.
Die Naturbrücke beim Nadelöhr
Die Naturbrücke beim Nadelöhr

Goethe hatte das „Nadelöhr" von dem herzoglichen Hofgärtner Carl Heinrich Gentzsch herrichten lassen. Der Anlass dazu war ein trauriger. Am 17. Januar 1778 hatte sich eine 17-jährige Jugendliche an der „Naturbrücke", die damals noch Floßbrücke genannt wurde, selbst das Leben genommen. Ihr Freitod hatte die Gemüter der Weimarer Bevölkerung aufgewühlt. Man spürte das Bedürfnis, in der Nähe des Tatorts ein Monument des Gedenkens an die junge Verstorbene zu errichten. Sicherlich sollte dabei auch das kollektive schlechte Gewissen, das mit dem Ereignis höchstwahrscheinlich verbunden war, ein wenig entlastet werden.

Heute ist der Name der Toten in Vergessenheit geraten. Ihre Gedenkstätte aber gibt den Weimar-Besuchern das Gefühl, auf dem Weg zu Goethe einen engen Spalt passieren zu müssen.

 

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Fotos: Florian Russi

Nadelöhr

Park an der Ilm
99423 Weimar

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