Weimar-Lese

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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Der Weimarer Weihnachtsbaum

Der Weimarer Weihnachtsbaum

Carolin Eberhardt

Zwar ist aus verschiedenen Aufzeichnungen und Briefen Goethes bekannt, dass er die Tradition des Weihnachtsbaumes bereits in Straßburg kennen lernte. Doch als der Dichterfürst 1775 in der Weihnachtszeit nach Weimar reist, findet er auch hier den geschmückten Baum vor. Doch war das Brauchtum des Volkes den Oberen anfangs ein Dorn im Auge, stand es doch der geordneten Forstwirtschaft entgegen. So schrieb der Oberforstmeister von Wedel in Weimar an den Herzog Carl August im Jahr 1787, die „Barbarei“ müsse beendet werden und verlangte eine verbindliche Maßregelung gegen die Abholzung der Bäume zu Gunsten des Weihnachtsfestes. Im Jahr 1790 wiederholt von Wedel sein schriftliches Anliegen an den Herzog und schätzt die Zahl der in Weimar aufgestellten Christbäume auf 500 Stück. Beträchtlich scheint die Verbreitung des Christbaumes in der Stadt in Relation zu der Einwohnerzahl, welche im Jahr 1775 bei 6.000 lag. Da Carl August auf der einen Seite den Zorn seines Oberforstmeisters nachvollziehen konnte, andererseits aber auch Verständnis für die dem Volk liebgewonnene Sitte aufbrachte, versuchte er einen Kompromiss zu schaffen. Zwar ist nicht eindeutig belegbar, dass bereits zu dieser Zeit auch ein Christbaum im Schloss aufzufinden war, sehr abwegig ist der Gedanke allerdings nicht, war doch der Großherzog eng mit Goethe befreundet und kannte dessen Vorliebe für diesen Brauch. Der Herzog erließ also 1800 eine Verordnung, die das Verbot des Abschneidens und Verkaufens von „inländischen wie ausländischen Tannen- und Fichtenbäume, sowie das Einbringen in die Stadt“ regelte. Doch wurde dem Volk in diesem Erlass ausdrücklich zugestanden, dass eine festgelegte Anzahl junger Fichten für sechs Pfennige bis zwei Groschen das Stück zur Verwendung als Christbaum aus den herzoglichen Waldbeständen zur Verfügung gestellt wurden. Dennoch kam es weiterhin zu Plünderungen in den umliegenden Wäldern, so dass das Verbot zur Abholzung stetig wiederaufgefrischt werden musste. Wiederum finden sich in weiteren Verordnungen Bestimmungen, welche unter Vorrecht der Stadt Weimar festhielten, „dass unter Aufsicht der Forstbedienten, die etwa überflüssigen oder verkümmerten sogenannten Christbäume aus den Nadelhölzern ausgehoben, in die hiesige Stadt geschafft und durch gewisse besonders dazu berechtigte Personen verkauft werden sollen.“

Generell scheint sich die Tradition des Christbaumes in Thüringen sehr schnell verbreitet zu haben. Denn in einem in Erfurt erschienenen Wochenblatt für Kinder von 1813 wurde das Lösungswort „der Weihnachtsbaum“ in einem Rätsel gesucht. Das bekannte Gedicht Goethes mit dem Titel „Weihnachtsabend“, welches er 1822 für den damals dreieinhalbjährigen Prinzen Carl Alexander verfasste und in einem Büchlein mit kunstvollem Einband unter den herzoglichen Weihnachtsbaum legen ließ, legt ebenfalls Zeugnis für die Bedeutung des Christbaums in Weimar ab. Auch Schiller erwartete im Jahr 1789 an Weihnachten, einen Weihnachtsbaum in der Stube Charlottes von Lengefeldt, seiner damaligen Verlobten, vorzufinden. Denn er schrieb ihr: „Auf den Donnerstag komme ich nach Weimar - daß Ihr Euch ja nicht von irgend einem heiligen Christ engagieren laßt. Ihr werdet mir hoffentlich einen grünen Baum im Zimmer aufrichten, weil ich Euretwegen um den Griesbackschen komme.“ Hier wird deutlich, dass auch Schiller der Tradition sehr zugetan war. Es verwundert daher nicht, dass ein Jahr darauf der Weihnachtsbaum in Schillers eigenem Zuhause stand, welches er nach der Hochzeit mit Charlotte bewohnte.

Auch in der heutigen Zeit erfreut sich die Stadt Weimar in den Weihnachtstagen weiterhin seiner jahrhundertelang gelebten Tradition. Nicht nur in wahrscheinlich nahezu jedem Haushalt findet sich alljährlich ein festlich geschmücktes Bäumchen. Auch in der Mitte des Marktplatzes wird ein großer, dekorierter Christbaum aufgestellt.

 

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Textquellen:

Spemann’s Illustrierte Zeitschrift für das Deutsche Haus, Erster Band (Oktober 1890 bis März 1891), Stuttgart: Druch der Union Deutsche Verlagsgesellschaft.

Rietschel, Georg: Weihnachten in Kirche, Kunst und Volksleben, Velhagen & Klasing, 1902.

 

Vorschaubild:

Weihnachtsbaum, Öl auf Leinwand, 1914, Urheber: C. Müller via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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