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Weihnachten

Ein Fest der Familie und des Friedens

Florian Russi, Herbert Kihm (Hg.)

Alle Jahre wieder feiern wir das Weihnachtsfest im Kreise unserer Familie und lassen althergebrachte Traditionen in familiärer Atmosphäre aufleben. Doch wo hat das Fest seinen Ursprung, warum feiern wir Weihnachten und woher stammt der Christbaum?

Das liebevoll gestaltete Heftchen gibt Auskunft hierüber und enthält zudem eine kleine Sammlung der bekanntesten Weihnachtslieder. Des Weiteren Rezepte laden zum Kochen und Backen ein.

Carl August und Friedrich Schiller

Carl August und Friedrich Schiller

Carolin Eberhardt

Der erste Kontakt

Überzeugt schrieb Friedrich Schiller in der Ankündigung seiner Rheinischen Thalia vom 11. November 1784: „Ich schreibe als Weltbürger, der keinem Fürsten dient.“ Dieser Umstand sollte sich schon bereits im Dezember des gleichen Jahres in eine lebenslange Gönnerschaft von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach wandeln. Durch den Rat seiner Freundin Charlotte von Kalb, welche damals in Mannheim lebte und ihm eine Empfehlung an ein Fräulein von Wolzogen mitgab, fand sich der Dichter am 26. Dezember 1784 am landgräflichen Hofe zu Darmstadt ein, um dort im fürstlichen Kreise den 1. Akt seines Don Carlos zu verlesen. Unter den fürstlichen Anwesenden befand sich kein geringerer als der Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, Carl August, der in Angelegenheiten des deutschen Fürstenbundes angereist war. Die Lesung wurde allgemein als Erfolg empfunden.

Der kulturliebende Carl August führte mit Schiller im Anschluss eine längere Unterredung, in welcher der Dichter unmissverständlich äußerte, dass er ein bürgerliches Leben mit ehrwürdigem Titel anstrebte, insbesondere im Hinblick auf die gewünschte Eheschließung mit der Tochter des Mannheimer Buchhändlers, Margarethe Schwan. Bereits am nächsten Tag erhielt er folgendes Schreiben des Großherzogs:

„ Mit vielem Vergnügen, mein lieber Doktor Schiller, erteile ich Ihnen den Charakter als Rat in meinen Diensten. Ich wünsche Ihnen dadurch ein Zeichen meiner Achtung geben zu können. Leben Sie wohl. Carl August, H.z.S.W.“

Zuvor kreuzten sich die Wege des Herzogs und des Dichters 1779 unweigerlich in Stuttgart bei der Preisverteilung in der Karlsakademie.

Hier war Carl August mit Herrn Johann Wolfgang von Goethe zugegen, mit welchem er kurz zuvor seine Schweizerreise beendet hatte. Doch einen persönlichen Kontakt suchte Schiller zu diesem Anlass nicht zum Herzog, wohl auch dem geschuldet, dass er einer großen Faszination gegenüber dem gefeierten Dichter Goethe erlegen war.

Das Angebot des Herzogs, welches dieser dem jungen Schwaben übermitteln ließ, nahm Schiller zeitnah schriftlich dankend an, woraufhin der Herzog am 9. Februar erwiderte:

„Mir ist es sehr angenehm, wenn die schriftliche Bestätigung desjenigen, was ich Ihnen zu Darmstadt versprach, Ihnen angenehm war. Von Herzen wünsche ich, dass es zu der Zufriedenheit Ihres künftigen Lebens beitragen möge. Geben Sie mir zuweilen von Ihnen Nachrichten und von demjenigen, was in der litterarischen und mimischen Welt, welche Sie bewohnen, vorgeht. Leben Sie wohl! CarlAugust, H.z.S.W.“

Zwar war mit dem Titel eines Sachsen-Weimarischen Rates kein Einkommen verbunden, doch dies nahm Schiller auf Grund der überwiegenden Vorteile des Amtes in Kauf. Nicht nur hatte er nun einen fürstlichen Förderer in Carl August gefunden, er fühlte sich auch, zuvor als vielfach verkannter und angefeindeter Flüchtling, zum ersten Mal als zugehörig zu der gebildeten Welt. Seine Dankbarkeit für diese durch die Gönnerschaft des Herzogs erlangte gesteigerte Lebensqualität, an der er auch gern seine Familie und Freunde teilhaben ließ, äußerte Schiller in seinem ersten Heft der Rh. Thalia, welches unter anderem den ersten Akt des Don Carlos enthielt wie folgt:

„Unvergesslich bleibt mir der Abend, wo Eure Herzogliche Durchlaucht Sich gnädigst herabliessen, dem unvollkommenen Versuch meiner dramatischen Muse, diesem ersten Act des Dom Karlos, einige unschätzbare Augenblicke zu schenken, Teilnehmer der Gefühle zu werden, in die ich mich wagte, Richter eines Gemäldes zu sein, das ich von Ihresgleichen zu entworfen mir erlaubt. Damals gnädigster Herr, stand es noch allen tief unter der Vollkommenheit, die es haben sollte, vor einem fürstlichen Kenner aufgestellt zu werden. Ein Wink Ihres gnädigsten Beifalls, einige Blicke Ihres Geistes, Ihre Empfindung, die ich verstanden zu haben mir schmeichelte, haben mich angefeuert, es der Vollendung näher zu bringen. Sollten Sie, Durchlauchtigster Herzog, den Beifall, den Sie ihm damals schenkten, auch jetzt nicht zurücknehmen, so habe ich Mut genug, für die Ewigkeit zu arbeiten. Wie teuer ist mir zugleich der jetzige Augenblick, wo ich es laut und öffentlich sagen darf, dass Karl August, der edelste von Deutschlands Fürsten, und der gefühlvolle Freund der Musen, jetzt auch der meinige sein will, dass Er mir erlaub hat, Ihm anzugehören, dass ich Denjenigen, den ich schon lange als den edelsten Menschen schätze, als meinen Fürsten jetzt auch leiben darf. Ich ersterbe mit unbegrenzter Verehrung eurer Hochfürstl. Durchl. Unterthänigst gehorsamster Friedrich Schiller.

Mannheim, den 14. Des Lenzmonats 1785.“

Der direkte Kontakt zum Weimarer Hof blieb Schiller zunächst verwehrt, obwohl er fest davon überzeugt war, wie er in einem Brief an seinen Freund Ferdinand Huber schrieb, dass sich diese Verbindung früher oder später einstellen werde.


*****

Textquelle:

Linn-Linsenbarth, Oskar: Schiller und der Herzog Karl August von Weimar, Kreuznach: R.Voigtländer, 1901, 1-5.


Bildquellen:

Vorschaubild: Schiller, Stahlstich, Portrait nach Ölgemälde, 1794, Urheber: unbekannt; Quelle: Familienarchiv via Wikimedia Commons gemeinfrei; Carl August, Pastell, 1784, Urheber: Johann Heinrich Schröder via Wikimedia Commons Gemeinfrei; neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.

Titelblatt des Dom Carlos, 1787, Quelle: Antiquariat Dr. Haack Leipzig via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Karel August van Saksen-Weimar-Eisenach - kopergravure, 1780, Urheber: Johann Heinrich Lips via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Karl August und Goethe in der Sturmperiode. Nach Originalbildern aus der großherzoglichen Bibliothek zu Weimar, für die Gartenlaube entworfen und auf Holz gezeichnet von Adolf Neumann, 1875 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Titelblatt des ersten Bandes Thalia, 1787 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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