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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Das Ghettohaus - Brühl 6

Das Ghettohaus - Brühl 6

Carolin Eberhardt

Eine als Stolperstein bezeichnete Gedenktafel kennzeichnet seit 1998 das einstige Judenhaus am Brühl 6.

Das seit 1894 im Besitz der Familie Ortweiler/Appel befindliche Gebäude wurde von dieser als Wohn- und Geschäftshaus genutzt. Mit Einsetzen der in ganz Deutschland durchgeführten Ghettoisierung und Judenverfolgung wurde das Haus ab 1941 von der Regierung als „Ghettohaus“ umfunktioniert. Insgesamt 8 jüdische Familien aus Gesamtdeutschland, darunter auch die gebürtig aus Aurich stammende Karoline Wolff, wurden gezwungen, hier in der oberen Etage auf engstem Raum zu leben.

Das Zwangsquartier ermöglichte der Gestapo eine genaue Überwachung der Inhaftierten. Ab Herbst 1941 erfolgte die Deportation der Bewohner auf der Grundlage geringster Vergehen in die umliegenden Konzentrationslager. So wurde die Tochter der ursprünglichen Hauseigentümer, Susanne Appel, wegen unerlaubten Besitzes von Eiern verhaftet und 1942 in Auschwitz ermordet.

Eine Vielzahl der Bewohner wurde im Mai 1942 in das Ghetto Belzyce bei Lublin deportiert. Die bis September 1942 im Haus verbliebenen älteren Juden überführte das Regime nach Theresienstadt. Kein Jude des Ghettohauses am Brühl 6 überlebte die Periode des Nationalsozialismus.

Weitere Stolpersteine sind in Weimar an verschiedenen Standorten anzutreffen, ebenda wo jüdische Mitbürger gelebt, verhaftet und deportiert worden. Sie gemahnen uns an die Verbrechen des Nationalsozialismus und bringen uns die Vergangenheit erschreckend nah.

Ein weiteres Judenhaus am Plan 4 wurde bisher noch nicht als solches gekennzeichnet.




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Fotos: Carolin Eberhardt


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