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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Die Weimarer Schwäne

Die Weimarer Schwäne

Carolin Eberhardt

Bei einem Spaziergang durch den Park an der Ilm vor ein paar Jahren – das genaue Jahr weiß ich nicht genau zu sagen – erblickte ich in der Ilm unterhalb der Sternbrücke ein possierliches Treiben. Immer ließ ich meinen Blick bereits zuvor schon an dieser Stelle auf das Wasser gleiten, denn hier tummeln sich üblicherweise die Enten, manchmal auch mit ihren Küken, und unser damals einsamer stolzer weißer Schwan. Doch an diesem Tag war es anders als sonst. Denn der Schwan war nun keineswegs mehr einsam und allein. In seiner unmittelbaren Nähe nämlich, erblickte ich ein graues, etwas kleineres Exemplar dieses Tieres, ein sogenanntes hässliches Entlein, welches die Nähe unseres Schwans suchte. Doch sollte man glauben, dass dieser sich über seine neue Gesellschaft gar freuen sollte, so irrte man sich gewaltig. Der große und stolze Artgenosse fühlte sich sichtlich durch diesen grauen Neuankömmling bedrängt, schnappte zuweilen nach ihm und versuchte, ihn immer auf einem gewissen Abstand zu halten.

Die Zeit verging, Wochen, Monate, nach wie vor sah der Spaziergänger die beiden zwar schon in einer kurzen Distanz, aber nicht in inniger Zweisamkeit nebeneinander schwimmen oder im Gras sitzen. Das Gefieder des hässlichen Entleins wurde zunehmend weißer und glich sich immer mehr seinem aufgezwungenen Weggenossen an. Weitere Tage gingen ins Land. Heute: Gleicher Ort, gleiche Stelle, gleiche Vögel. Ein Wunder! Die beiden sind, wie es scheint, unzertrennlich aneinandergewachsen. Man sieht sie nur noch im Doppelpack auftreten – von Distanz oder Bedrängnis ist hier nichts mehr zu spüren. Die beiden verschwören sich auch gern einmal gemeinsam gegen einen menschlichen Störenfried – auch, wenn dieser sogar Futter für die beiden parat hält. Kürzlich war von der Sternbrücke aus ein junger Mann zu beobachten, der auf der Ilmwiese stand, um den Schwänen etwas Futter zu reichen. Schon aus der Entfernung machte sich der Gedanke bei mir breit, mein lieber Tierfreund, geh lieber in Deckung. Denn der Schwan – welcher von beiden es war, kann ich heute auf Grund ihrer Ähnlichkeit nicht mehr sagen -  senkte den Kopf weit nach unten, reckte den Schwanz in die Höh‘, hob die Flügel bedrohlich nach oben und breitete seine Schwingen. Kaum hatte ich den Gedanken zu Ende gebracht, so stürzte der Schwan auf den armen Vogelfreund zu und zwickte ihn unerbittlich in die Hand. Natürlich nicht, ohne seinen Wegbegleiter direkt hinter sich zu wissen – auch dieser schon in Habachtstellung, bereit, zuzuschlagen, wenn nötig.

Meist sind unsere Ilmschwäne zwar friedlicher Natur, aber ein gewisser Abstand bei der Fütterung schadet gewiss nicht. Zu nah sollte man den beiden nicht kommen.

 

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Fotos: Carolin Eberhardt.

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