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Christianes Grab

Die Grabstätte der Christiane von Goethe, geb. Vulpius, auf dem Jakobskirchhof

Auf dem Friedhof an der Jakobskirche in Weimar, bis zum Jahr 1818 Hauptfriedhof der Stadt, befindet sich das schlichte Grab der Ehefrau Goethes, Christiane, geb. Vulpius (1765-1816). Am 12. Juli 1788 wenige Wochen nach dessen Rückkehr von seinem knapp zweijährigen Italienaufenthalt, sprach sie ihn im Park an der Ilm an, um von ihm eine Empfehlung für ihren Bruder Christian August zu erbitten. Goethe kam ihrem Wunsch nach und lud sie ein, ihn in seinem Gartenhaus zu besuchen. Er, der nach Meinung einiger Literaturforscher in Italien erst zum Mann geworden war, machte sie zu seiner Geliebten und später zur Lebensgefährtin. 1806 heiratete er sie.

Christiane stammte aus einer armen Familie und war Goethe weder sozial noch geistig ebenbürtig. Die Weimarer Gesellschaft rümpfte die Nase über das nach ihrem Verständnis unwürdige Verhältnis. Doch die beiden hielten zueinander und man darf davon ausgehen, dass Christiane durch ihre Fürsorge und Treue, aber auch durch ihre frische und natürliche Art sowie ihre Sinnlichkeit vieles zu Goethes Wirken beigetragen hat. Sie gebar fünf Kinder, von denen nur das älteste, der Sohn August, überlebte.

Christiane starb, nach schmerzhaftem Todeskampf, am 6. Juni 1816. An ihrer Beerdigung nahm Goethe nicht teil, was ihm von vielen als Lieblosigkeit ausgelegt wurde. Am Todestag schrieb er in sein Tagebuch: Nahes Ende meiner Frau. Letzter fürchterlicher Kampf ihrer Natur. Sie verschied gegen Mittag. Leere und Totenstille in und außer mir."

Diese Worte lassen nicht darauf schließen, dass der Dichter, der, wann immer möglich, Krankheiten und Begräbnissen auswich, seiner Frau nicht verbunden gewesen sei. Sigrid Damm hat in ihrem Buch (s. u.) nachgewiesen, dass Johann Wolfgang und Christiane ein durchaus herzliches Verhältnis miteinander pflegten. So lassen sich auch die Worte interpretieren, die er auf ihrem Grabstein anbringen ließ (s. nebenstehendes Bild).

Auch in Briefen, die er an Freunde schrieb, brachte er seine Trauer zum Ausdruck. Zum Verständnis von Goethes Verhalten kann es beitragen, wenn man die Umstände von Christianes Beerdigung näher betrachtet. Aufgrund einer Anordnung von Herzogin Anna Amalia wurden Verstorbene „von Stand" in Weimar während der Nacht zum Friedhof überführt und bestattet. Damit wollte sie eine möglichst große Diskretion erreichen. Entsprechend wurde auch mit Christiane verfahren, deren Beerdigung um 4 Uhr in der Frühe stattfand.

Christiane Vulpius von Goethe gezeichnet
Christiane Vulpius von Goethe gezeichnet

Am Nachmittag wurde dann in der Stadtkirche ein feierlicher Trauergottesdienst abgehalten, an dem viele Menschen, nicht aber Goethe und sein Sohn August, teilnahmen. Es lässt sich denken, dass der Dichter, Minister und Geheime Rat es vermeiden wollte, verlogene Beileidsbekundungen von Weimarern entgegen zu nehmen, die seiner Frau viele Jahre mit Missachtung und Gehässigkeiten begegnet waren.

Lange war Christianes Grab eingeebnet und verschollen. 1888, hundert Jahre nach ihrem ersten Zusammentreffen mit dem Dichterfürsten, wurde es wieder entdeckt und von der Goethegesellschaft in der heutigen Form hergerichtet.

 

*****

Literatur:
- Sigrid Damm: Christiane und Goethe, eine Recherche. Insel Verlag, Berlin 2010.
- Hannelore Henze, Doris-Annette Schmidt: Der Jakobskirchhof zu Weimar, Rhino Verlag, Ilmenau 2010.

Fotos der Grabstelle auf dem Jakobskirchhof: Rita Dadder
Vorschaubild: Christiane Vulpius, Gemälde, Urheber unbekannt.
Zeichnung der Christiane Vulpius von Goethe, Quelle: Wikimedia Commons, gemeinfrei

Christianes Grab

Am Jakobskirchhof
99423 Weimar

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