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Goethe hat ihn bewundert von Horst Nalewski

Horst Nalewski
Goethe hat ihn bewundert.

Goethes Begegnungen mit Felix Mendelssohn Bartholdy.

Der Musikkenner und international geachtete Literaturwissenschaftler Horst Nalewski erzählt anhand fünf ausgewählter Beispiele von dem außergewöhnlichen Aufeinandertreffen und Zusammenwirken zweier Künstler. Eine CD mit den Musikstücken liegt diesem Büchlein bei.
Erschienen 2011 im Bertuch Verlag.

Der abwesende Herr von Goethe

Der abwesende Herr von Goethe

Hans Bader

Wer nach Weimar kommt (geschritten oder geritten oder gefahren), möchte Goethe besuchen. Unübersehbar: Das Haus am Frauenplan, Goethes Wohnhaus. (Erst etliche Jahre nach dem Umbau gemäß seinen Wünschen lässt der Herzog es als Eigentum Goethes in das Register eintragen.)

Doch es ist viel Glück nötig, den Hausherrn anzutreffen. 1809 zum Beispiel, also vor ca. 200 Jahren, weilt Goethe im Mai und Juni, im Juli bis Anfang Oktober im nahen Jena, schreibt zurückgezogen an den „Wahlverwandtschaften". Christiane, geborene Vulpius, empfängt die Besucher, führt den Haushalt, sorgt für ihren Geheimrat. Der bittet sie um Dresdner Grütze und Kalbsfüße in Gelee, die er so gerne mag. Christiane schickt es ihm nach Jena, hält ihm den Rücken frei für einen Roman, der nach Goethes Absicht zunächst eine Novelle werden soll, dann eine Erzählung, die sich zum Roman ausweitet, den er nach eigenem Bekunden für sein bestes Buch hält, als es 1809 erscheint. Andere urteilen anders. Es wird gescheit und enthusiastisch, dumm und absurd darüber gesprochen – heißt es nach dem Erscheinen.

Die Kritik stört ihn, den Empfindlichen. Er will über das Philister-Geschrei nach Böhmen flüchten, wo er „von aller deutschen Literatur und Gelehrsamkeit auf mehrere Monate in seliger Abgeschiedenheit zu leben" hofft.
Wieder ist Goethe 1810 über sieben Monate fort.
Man braucht nicht nur Zeit zum Schreiben. Auch Abgeschiedenheit. Ruhe. Die Möglichkeit zur Konzentration. Und vor allem: Willen und Kraft, sich zum Schreiben zu zwingen. So wie Friedrich Schiller, gegen Geldnot und vor allem gegen schwere Krankheit.
Erst als Goethe fast 75 Jahre alt ist, 1823, gibt er die großen Reisen auf.

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Quellen:

Sigrid Damm: Christiane und Goethe. Eine Recherche. Insel Verlag Frankfurt am Main und Leipzig, 1998
Hans Mayer: Goethe. Ein Versuch über den Erfolg. Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, 1987
Sigrid Damm: Goethes letzte Reise. Insel Verlag Frankfurt am Main und Leipzig, 2007

Bild aus www.wikipedia.de, bearbeitet von Antje Wetzstein

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