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Erbsensoldaten

Florian Russi

Lustige, spannende, fantasievolle Märchen über Zwerge, den Zauberer Krabat und den Müllergesellen Pumphut sind hier versammelt.

Volkhardt Germer

Volkhardt Germer

Uta Plisch

Ein Leben in und für Weimar

Seine Geburt am 9. Mai 1944 ging einher mit einem Bombenangriff auf Weimar. Am 9. Februar 1945 wurde auch das Haus seiner Eltern und Großeltern durch eine Luftmine total zerstört. Seine Mutter suchte mit dem älteren Bruder und ihm Unterschlupf bei Verwandten auf einem Bauernhof unweit von Apolda. Glücklicherweise kehrte der Vater unversehrt aus dem Krieg aus der Sowjetunion zurück. Es folgten Jahre des Hungers und der Entbehrungen, an die sich Dr. Germer noch sehr gut erinnert.

Von 1950 an besuchte er die Grundschule in Apolda, ab 1953 bis 1958 die (Grundschule) in Suhl. Sein Vater war inzwischen als technischer Leiter im Jagdwaffenwerk Suhl tätig. Im Jahr 1959 kündigte er diese Tätigkeit, weil der Betrieb den Auftrag erhielt, die russische Maschinenpistole „Kalaschnikow" und eine Pistole „Makarow" in Vorbereitung auf die Wehrpflicht 1961 in Serie zu bauen. Er war bereits als Technologe im „VEB Carl-Zeiss-Jena" tätig, als seine Verhaftung erfolgte und eine zehnjährige Zuchthausstrafe ausgesprochen wurde. Gerade in den Jahren wichtiger persönlicher Weichenstellungen stand somit sein Vater nicht zur Verfügung. Noch heute denkt Dr. Germer voller Bewunderung an seine Mutter, wie sie diese schwierigen Jahre gemeistert hat.

In diese Zeitspanne fällt das Abitur, die Ausbildung als Betonfacharbeiter und die Aufnahme eines Lehrerstudiums für Sport und Deutsch. Der Vater kam nach 7 Jahren vorzeitig aus der Haft und konnte in Jena wieder eine Anstellung finden.

Dr. Germer mit seiner Ehefrau Roswitha
Dr. Germer mit seiner Ehefrau Roswitha

Mit seiner Frau Roswitha, ebenfalls Studentin für Deutsch und Sport, begann Volkhardt Germer die gemeinsame Lebensplanung auf Weimar zu konzentrieren. Beide fingen im Kinderheim Holzdorf als Lehrer an und fanden in der Arbeit mit den Kindern des Heimes und aus den Dörfern Erfüllung.

Als junges Mitglied der SED, das er inzwischen geworden war, wurde er nach drei Jahren in die Abteilung Volksbildung des Kreises geholt, um dort vertretungsweise als Turnrat tätig zu sein. Diese Tätigkeit wurde unterbrochen durch die Einberufung zur Armee. Er war inzwischen 26 Jahre alt, das erste Kind gerade geboren. 18 Monate diente er in Brandenburg an der Havel.

Nach Beendigung des Wehrdienstes wurde er als Deutschlehrer und Verantwortlicher für die Arbeit der „Freien Deutschen Jugend" an der Erweiterten Oberschule Bad Berka eingesetzt. Nach drei Jahren nahm er die Möglichkeit wahr, an der Pädagogischen Hochschule Potsdam seine Doktorarbeit zu schreiben. Diese Arbeit im Bereich der älteren Literatur mit hohem wissen-schaftlichem Anspruch bereitete ihm sehr viel Freude. Nach der erfolgreichen Verteidigung seiner Arbeit 1978 ging es zurück nach Weimar. Sein Einsatz erfolgte in der Verwaltungsebene für die Schulen zunächst in Erfurt und dann in der Stadt Weimar. Als Stellvertreter des Schulrates, ab 1982 dann Schulrat, oblag ihm der gesamte Bereich vom Kindergarten bis zum Abitur. Das hätte eine sehr befriedigende Arbeit sein können, aber die Reglementierungen aus staatlichen und politischen Gremien ließen kaum Kreativität zu. Dazu kamen Sorgen um die Erhaltung der Schulen bis hin zur unzureichenden Versorgung mit Heizmaterial. Der Druck zur Erfüllung der Aufgaben in der militärischen Nachwuchssicherung wurde immer stärker. Zweifel an der Richtigkeit der eingeschlagenen Politikrichtung kamen auf. Sehr viele vertrauensvolle und oft nicht ungefährliche Gespräche führten mehr und mehr zu einem kritischen Überdenken der Gesamtsituation, aber auch der eigenen Verantwortung in dem bis dahin festgefügten Getriebe. Als man ihm 1987 den Posten des 1. Stellvertreters des Oberbürgermeisters anbot, sagte er zu mit der inneren Hoffnung, doch aus dieser Position heraus etwas bewegen zu können. So konnte er beispielsweise die von der SED-Kreisleitung geforderte Entlassung von vier Kolleginnen verhindern. Diese hatten ihre SED-Mitgliedschaft aufgekündigt. Als von der gleichen Institution vom Oberbürgermeister verlangt wurde, die Städtepartnerschaft zu Trier auf Eis zu legen, haben die Stadträte den schon gefassten und umgesetzten Beschluss aufgehoben.
Ihm schwebte eine reformierte DDR vor, ohne die wirklichkeitsfernen Eingriffe in Abläufe in der Wirtschaft und im Alltag. Dass dies eine Illusion war, begriff er sehr bald. Am 22. November 1989 wurde er vom Runden Tisch in der Stadt Weimar beauftragt, die Amtsgeschäfte bis zur ersten demokratischen Neuwahl in der Kommune zu führen. Im Rückblick kann Herr Dr. Germer heute sagen, dass dies zwar die arbeitsintensivste, aber auch die kreativste und glücklichste Zeit seiner Berufsjahre war. Sehr kurze basisdemokratische Wege bis zur Entscheidung und Umsetzung prägten den damaligen Politikstil. Diese Zeit muss einer gesonderten Darstellung und Aufarbeitung vorbehalten bleiben.
Gerhard Schröder, Wladimir Putin und Dr. Volkhardt Germer (v.l.)
Gerhard Schröder, Wladimir Putin und Dr. Volkhardt Germer (v.l.)

1990 wurde er als unabhängiger Kandidat in den neuen Stadtrat gewählt. Seine beruflichen Wege führten ihn für drei Jahre als Geschäftsführer in eine Leichtmetallgießerei. Diese Arbeit brachte ihm völlig neue Einsichten in den Gang wirtschaftlicher Prozesse.

1994 stellte er sich auf Drängen vieler Bürger der Stadt als Oberbürgermeister zur Wahl. Diese konnte er in der Stichwahl gewinnen und trat das Amt am 1. Juli 1994 an. Haushalterische Fragen, eine umfängliche Stadtsanierung in Vorbereitung des „Kulturstadtjahres Europa 1999" sowie eine vertrauensvolle Eingemeindung von Dörfern zur Stadt waren Schwerpunkte der Arbeit.

Weimar als „Kulturstadt Europas" wurde ein voller Erfolg.

In der Kommunalwahl 2000 wurde Dr. Germer im Amt bestätigt. Das sicherte eine kontinuierliche Fortsetzung der Arbeit, die er 2006 an den Nachfolger übergab. Seitdem befindet er sich im Ruhestand, der kein wirklicher ist.

 

 

Ehrenamtliche Arbeit als Vorsitzender des „Fördervereins Buchenwald", als Gründungsvorsitzender des „Literaturhauses", als stellvertretender Vorsitzender im „Freundeskreis Deutsches Nationaltheater" sowie Vorstandsmitglied im „Freundeskreis der Musikhochschule Franz Liszt" lassen ihn an den Problemen in der Stadtentwicklung teilhaben.

Fragebogen

Frage: Wann waren Sie das erste Mal in Weimar?
Antwort: - seit meiner Geburt
Frage: Wie war Ihr erster Eindruck?
Antwort: - schon in Jugendjahren stand fest, dass ich Weimar nie verlassen werde
Frage: Haben Sie einen Lieblingsplatz in Weimar? (Lieblingsgebäude, Lieblingscafé oder Ähnliches)
Antwort: Parkanlagen um Belvedere / Deutsches Nationaltheater (DNT)
Frage: Wer ist für Sie die bedeutendste Person in Weimar? (der Vergangenheit und/oder der Gegenwart)
Antwort: Goethe, Schiller, Liszt
Frage: Welche Projekten o. ä . haben Sie in Weimar durchgeführt?
Antwort: - als Oberbürgermeister (OB) war ich in Vorbereitung der Kulturstadt Weimar 1999 für die Sanierung der Stadt verantwortlich. Das erfüllt mich noch heute mit Freude.

Persönliches:

Frage: Wo ist Ihre Heimat? Was verbinden Sie mit ihrer Heimat?
Antwort: Meine Heimat ist Weimar und Thüringen. Die Verbundenheit ist durch die reichen Traditionen, die Kultur, die Landschaft und die Menschen entstanden.
Frage: Was ist für Sie das größte Glück?
Antwort: - Harmonie und Liebe in der Familie.
Frage: Welche Ziele haben Sie bisher erreicht?
Antwort: Als OB habe ich die Ehre gehabt, Weimar 12 Jahre zu führen.
Frage: Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?
Antwort: Im Ehrenamt für Buchenwald und das DNT zu wirken.
Frage: Haben Sie schon einmal etwas bereut?
Antwort: Mein unbedingtes Vertrauen in die Lauterkeit anderer Menschen.
Frage: Was war für Sie ihr größter Erfolg?
Antwort: Weimar in vielen Ländern gut vertreten zu haben.
Frage: Welches Land, das Sie bisher besucht haben, war für Sie das
Beeindruckendste (und warum)?
Antwort: - Norwegen mit seiner unglaublichen Natur und den offenen und netten Menschen.
Frage: Welches Land möchten Sie unbedingt noch besuchen (und warum)?
Antwort: - Schottland wegen seiner Natur und Geschichte.
Frage: Welche drei Bücher würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Antwort: - einen Roman von Th. Mann, Heiteres von Eugen Roth und Besinnliches von Hermann Hesse
Frage: Beabsichtigen Sie, selbst noch ein Buch zu schreiben?
Antwort: Aus Zeitgründen habe ich mich momentan mit dieser Frage noch nicht ernsthaft beschäftigt.