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Das Torhaus

Helga Dreher
Eine mysteriöse Erbschaft mit Folgen...

Roman 2010, 430 Seiten

Clemens Wenzeslaus Coudray

Anette Huber-Kemmesies

Der Klassische Wegbereiter des Bauhauses

Er kam am 23.11.1775 als ältester Sohn eines Tapezierers und Dekorateurs und einer Kammersängerin in Ehrenbreitstein am Rhein zur Welt. 1789 trat er in die Fussstapfen seines Vaters und begann eine Lehre als Tapezierer und Dekorateur, in der er sich schnell das Basiswissen im Umgang mit Materialien und Geräten aneignete. Von den Idealen der Französischen Revolution beeindruckt, beschloss er, sich der Linksrheinischen Republik anzuschließen und sollte eine Offiziersstelle in der Nordlegion erhalten. Doch hielt seine Euphorie aufgrund von Schandtaten durch die Jakobiner nicht lange an und Coudray flüchtet von Koblenz zurück nach Frankfurt, wo er vom Lehrmeister Rumpf aufgenommen wurde. Das Vertrauen in seinen strebsamen Schüler war sehr groß und Rumpf überließ ihm die Leitung seiner Werkstatt. Die Zukunft seines Schützlings lag dem Dekorateur sehr am Herzen, und so schickte er Coudray nach Paris, um den bekannten Architekten Jean Nicolas Louis Durand kennen zu lernen. Durch die gemeinsame Begeisterung für das Theater war das Eis zwischen dem Professor für Architekturtheorie und seinem Privat-Schüler schnell gebrochen. Während seiner Studienzeit in Paris (1800-1804) gewann Coudray einige Architektur-Wettbewerbe, wodurch der Prinz von Oranien auf den angehenden Architekten aufmerksam wurde. Dieser stellte ihn dann als Hofarchitekten an und beorderte ihn nach seinem bravourösen Studienabschluss nach Fulda, wo er eine Tätigkeit als Professor annahm. Doch wurde sein Aufenthalt durch einige Querelen getrübt und währte nicht lange. Noch im selben Jahr trat der Coudray eine Bildungsreise nach Italien an, um sich mit den architektonischen Gegebenheiten dieses Landes vertraut zu machen. Nach dieser Kunstreise nahm Coudray sein Amt in Fulda wieder auf. Hier lernte er auch Veronica Schild kennen, die er 1810 ehelichte.

Insgesamt war der Architekturprofessor Coudray aber mit seinem Aufenthalt in Fulda nicht zufrieden, und so kam ihm die Einladung Carl Augusts von Sachsen-Weimar sehr gelegen. Im Jahre 1816 nahm er die ihm angebotene Stelle als Großherzoglicher Oberbaudirektor in Weimar an. Zu seinen größten und diffizilsten Aufgaben gehörte, das Ansehen der Stadt zu verbessern, ihr ein neues Gesicht zu geben. Zwar hatte schon Anna Amalia zu ihrer Amtszeit damit begonnen, aber nie zum Abschluss bringen können.
Um der Ökonomie Willen gründete der Oberbaudirektor eine Schule für Bauwesen, deren Besuch kostenfrei war um adäquate Handwerker auszubilden. Zu seinen wichtigsten Bauwerken in Weimar zählen, neben dem einstigen Wohnhaus in der Heinrich-Heine-Straße, der gusseiserne Brunnen am Frauenplan und das dortige Torhaus, die Weimarer Hauptwache (die heutige Bibliothek) und das „Thor- und Wachhaus an der Erfurter Chaussee". Er war wesentlich an der Restaurierung der Jakobskirche beteiligt, am Entwurf und Bau des Westflügels des Weimarer Stadtschlosses, des heutigen Bauhaus-Museums, welches zuvor eine Wagenremise am Theaterplatz war, der Weimarer Fürstengruft und des Herderbrunnens vor dem Alten Gymnasium Weimar.

Darüber hinaus avancierte der Architekt zum Maître de Plaisir der höfischen Gesellschaft in Weimar. Er organisierte und plante Geburtstagsfeste für die herzogliche Gesellschaft, die ihm ein noch höheres Ansehen verschafften. Und nicht nur bei ihnen war er angesehen, auch Goethe schätzte ihn als guten Freund und Gesprächspartner in Sachen Kunst.
Coudray ist es zu verdanken, dass das Weimarer Bauwesen reformiert wurde, denn in seinem Amt entwickelte er Pläne und Vorschriften zur Ökonomisierung von Bauprojekten. Zwar kam es nie zu einer Änderung des Baugesetzes, doch fanden Courdrays Änderungsvorschläge auch in den Nachbarländern Beachtung; es wurden sogar Abschriften angefordert.
Am 04.10.1845, neun Jahre nach dem Tod seiner Frau, stirbt Coudray in Weimar und wurde auf dem hiesigen Historischen Friedhof beigesetzt. Seine Hinterlassenschaft ist das architektonische Werk, welches er nach seiner Regel, „dass die Größe, das Erhabene im Einfachen seine Wurzel hat" geschaffen wurde. Er gilt bis heute als wichtigster Wegbereiter für die Bauhaus-Kunst.

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(Quelle: Hannes Bosse: Clemens Wenzeslaus Coudray. Architekt und Stadtplaner des Klassizismus, wtv Weimar 2007)

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