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Christoph Werner: Buckingham Palace

Der Roman führt den Leser in die Welt des Buckingham Palace und jener Mächte, denen selbst die Queen ausgeliefert ist. Durch Zufall gerät Weimar in das Blickfeld des britischen Geheimdienstes...

Louis Fürnberg

Louis Fürnberg

Christoph Werner

Statue Louis Fuernberg
Statue Louis Fuernberg
Etwas seitlich zwischen Residenzschloss und Ilm, fast schon vom Gebüsch verdeckt, finden Sie, meine Leserinnen und Leser, ein Denkmal, eine Büste auf einer Säule, von Louis Fürnberg mit seinem Namen und seinen Lebensjahren.

Den Älteren unter uns wird der Name unauslöschlich verbunden sein mit dem quasi religiösen Hymnus im Marschrhythmus „Das Lied der Partei". Ich kann es uns nicht ersparen, ein paar Zeilen zu zitieren, um zu zeigen, in welche Abgründe politischer Abhängigkeit ein ideologisch geschlossenes System führt, das seine Begründung stets aus zweiter Hand bezieht, sie nicht an der Wirklichkeit überprüft und damit, wie Friedrich Engels sagt, „falsches Bewusstsein imaginiert":

Sie hat uns alles gegeben.
Sonne und Wind und sie geizte nie.
Wo sie war, war das Leben.
Was wir sind, sind wir durch sie.
Sie hat uns niemals verlassen.
Fror auch die Welt, uns war warm.
Uns schützt die Mutter der Massen.
Uns trägt ihr mächtiger Arm.

Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!
Und, Genossen, es bleibe dabei;
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer recht.
Gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht.
Wer die Menschheit verteidigt,
Hat immer recht.
So, aus Leninschem Geist,
Wächst, von Stalin geschweißt,
Die Partei - die Partei - die Partei.

Wenn man heute liest, dass ein großer Prozentsatz der Deutschen in den neuen und in den alten Bundesländern der Meinung ist, die DDR sei eine Demokratie gewesen, so ist die Kenntnis dieses von der SED bis zu ihrem Ende als Legitimation benutzten Textes von Nutzen. Die direkte Umsetzung der Aussage dieses Liedes war die Politik der DDR.

Louis Fürnberg, heißt es, habe später gesagt, dass das „Lied der Partei" ihm einmal sehr schaden würde. Und so ist es gekommen. Sein Name lebt in der Erinnerung beinahe nur noch fort als Dichter und Komponist dieses Liedes. Dabei war er auch ein Meister zarter Lyrik, wie folgende Verse aus einem im Jahre 1950 geschriebenen Liebesliedes für seine Frau Lotte, die bis zu ihrem Tode in Weimar lebte und hier im Jahre 2004 im Alter von 92 Jahren starb, zeigen:

Was weiß ich denn, wie lang mein Herz noch schlägt, im süßen Klang
des Lerchenlieds mein Herz erbebt, was weiß ich denn, wie lang ...

An manchen Tagen bin ich müd und arm und frag mich bang:
Wie lang bleibst du bei mir, mein Lied?

Wie lange noch, wie lang?

Dann such ich rasch nach deiner Hand und halt mich an ihr fest
und weiß, mein Lied bleibt ja bei dir, du, die mich leben läßt!

Der Dichter, Kulturpolitiker und Diplomat hat Gedichtsammlungen, Novellen (darunter seine fragmentarische Novelle „Der arme Eckermann") und vieles andere mehr geschrieben.
Er kehrte nach der Mühsal des Exils nach dem Krieg mit seiner Frau nach Prag zurück und musste erfahren, dass alle seine Familienangehörigen in Buchenwald, Auschwitz und Majdanek ermordet worden waren. Und Lotte Fürnberg las auf der Liste der Opfer in der Prager Synagoge die Namen ihrer Onkel, Tanten und von deren Kindern.

Sie hofften auf einen neuen Anfang in einer neuen Gesellschaft, mussten jedoch bald die Atmosphäre des Misstrauens und des Antisemitismus im Machtbereich Stalins erleben, der schließlich viele ihrer Freunde zum Opfer fielen. Sie selbst hatten Glück, dass sie trotz ihrer bürgerlichen und deutsch-jüdischen Herkunft verschont blieben. Lotte Fürnberg sagte, ihr Mann habe sein „Lied der Partei" angesichts der Kränkungen, die ihm widerfuhren, in einer Art eigensinniger Selbstrechtfertigung geschrieben, was sich in seiner zerstörerischen und religiös anmutenden Selbstverleugnung unserem heutigen Verständnis doch weitgehend entzieht.

Louis Fürnberg übersiedelte 1954 nach Weimar und war bis zu seinem Tode im Jahre 1956 Stellvertretender Direktor der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten. Sein Grab befindet sich unweit der Fürstengruft auf dem Weimarer Hauptfriedhof.

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Vorschaubild: www.wikipedia.de, Michael Sander
Foto: Christoph Werner