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Johann Winckelmann
Begründer der klassischen Archäologie und modernen Kunstwissenschaften

Klaus-Werner Haupt

Das Portrait einer außergewöhnlichen Forscherpersönlichkeit, dessen mysteriöser Mord bei seinen zeitgenössischen und namhaften Verehrern - wie Goethe, Herder oder Anna Amalia - einen Schock auslöste.

Hieronymus Dietrich Berendis

Hieronymus Dietrich Berendis

Klaus-Werner Haupt

Kammerherr und Schatullier der Herzogin Anna Amalia

Hieronymus Dietrich Berendis wurde 1719 als Sohn des Bürgermeisters von Seehausen/Altmark geboren. Während seines Jurastudiums an der Friedrichs-Universität zu Halle lernte er den Theologiestudenten Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) kennen. Zu seinem Freundeskreis zählten weiterhin die Studenten Gottlob Burchard Genzmer (1716-1771), Friedrich Wilhelm Marpurg (1718-1795) und Karl Theophil Guichard (1724-1775).

Nach seinem Studium diente Berendis zunächst als Auditeur (Militärrichter) in einem preußischen Husarenregiment, das er 1746 mit dem Range eines Hauptmanns verließ. Berendis blieb in Berlin und setzte sein Studium fort. Auf Empfehlung seines Jugendfreundes Winckelmann ging er 1748 nach Dahlen, wo er als Hofmeister des Grafen Heinrich von Bünau diente. Heinrich (geb. 1740) war der jüngste Sohn des Reichsgrafen Heinrich von Bünau (1697-1762) und dessen dritter Ehefrau Christiane Elisabeth (1699-1783).

1751 wurde Bünau durch Friedrich III. (1699-1772), Herzog von Gotha-Sachsen-Altenburg, als obervormundschaftlicher Statthalter nach Eisenach gerufen. Hauptmann Berendis folgte der Familie. Laut Winckelmann stand er „in großem Kredit am Gothaischen Hofe“ und tat sich im Eisenacher Stadtschloss sogar als Laiendarsteller hervor. Im Jahre 1756 begleitete Berendis den jungen Heinrich von Bünau auf das Collegium Carolinum nach Braunschweig. Zu der in Erwägung gezogenen Kavalierstour mit Aufenthalt bei Winckelmann in Rom kam es nicht, der junge Bünau trat in französische Dienste.

Im Dezember 1755 wurde Ernst August II. Constantin (1737-1758) für volljährig erklärt und übernahm den Thron des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Seinen Vormund Heinrich Reichsgraf von Bünau ernannte er zum Premierminister. Hauptmann Berendis begleitete ihn und wurde in Weimar zunächst als Assessor, ab 1761 als Kriegsrat tätig. 1765 wurde er zum Hofrat und Direktor der Jenaer Landschaftskasse ernannt. In den folgenden zehn Jahren diente Berendis als Kammerherr und Schatullier der Herzogin Anna Amalia (1739-1807). Er gilt als eine der wichtigen Persönlichkeiten während der Regentschaft Anna Amalias. Mit der Thronfolge des Erbprinzen Carl August (1757-1828) am 3. September 1775 erfolgte seine Pensionierung.

Rotes Schloss
Rotes Schloss

Die Familie des Hofkammerrates Berendis lebte in einer Beamtenwohnung im Dachgeschoss des Weimarer Roten Schlosses. Darunter - mit Blick zum Markt – befand sich das sogenannte Geheime Consilium (Ratskollegium) mit Ratsstube, Kanzlei und Repositur (Aktenablage). Dem Consilium stand bis 1759 Heinrich Reichsgraf von Bünau vor, dessen Wohnräume sich ebenfalls im Roten Schloss befanden. ( 1 )

Im Frühjahr 1768 reiste der Altertumsforscher Winckelmann von Italien nach Deutschland. „Unter der Sonne zu Weimar“ wollte er seinen vertrauten Freund Berendis wiedersehen. Doch daraus wurde bekanntlich nichts. Depressiv geworden machte Winckelmann in Regensburg kehrt und trat den Rückweg nach Rom an. Am 8. Juni wurde er in Triest ermordet.

Mehr als fünfzehn Jahre später, am 26. Oktober 1783, verstarb in Weimar Hieronymus Dietrich Berendis. 29 der von Winckelmann erhaltenen Briefe gingen zunächst in den Besitz der Herzoginmutter über. Anna Amalia übergab diese im Sommer 1799 an Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), der 27 der Briefe – „die wichtigsten Denkmäler, die der einzelne Mensch hinterlassen kann" – in seiner Aufsatzsammlung Winckelmann und sein Jahrhundert (1805) veröffentlichte.

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Bildquelle: 

Das Rote Schloss, Klaus-Werner Haupt 

Anmerkung:

( 1 ) zitiert nach Wahl, Volker: Die Geheime Ratsstube im Roten Schloss zu Weimar – Der Versammlungsort

des Geheimen Consiliums zwischen 1743 und 1803. In: Weimar- Jena : Die große Stadt 6/1 (2013),

S. 6–21 © Verlag Vopelius Jena