Weimar-Lese

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Johann Joachim Winckelmanns Wirken auf Schloss Nöthnitz und in Dresden

Klaus-Werner Haupt

Nach rastlosen Jahren findet Johann Joachim Winckelmann auf dem nahe Dresden gelegenen Schloss Nöthnitz eine Anstellung als Bibliothekar. Die bünausche Bibliothek und die Kunstsammlungen der nahen Residenzstadt ermöglichen Kontakte mit namhaften Gelehrten. In ihrem Kreise erwirbt der Dreißigjährige das Rüstzeug für seine wissenschaftliche Karriere. Sein epochales Werk „Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst“ (1755) lenkt den Blick auf die Kunstsammlungen Augusts III. und ebnet den Weg nach Rom.

Winckelmanns Briefe, von denen mehr als fünfzig aus den sächsischen Jahren überliefert sind, lassen seinen Karrieresprung, aber auch seine persönlichen Nöte vor unseren Augen lebendig werden. Zwei Gastbeiträge über die jüngere Geschichte des Schlosses und die Visionen der Freunde Schloss Nöthnitz e. V. runden den Jubiläumsband ab.

Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach

Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach

Anette Huber-Kemmesies

Carl August, gemalt von Johann Georg Ziesenis (1769)
Carl August, gemalt von Johann Georg Ziesenis (1769)

Der Erbprinz (1757 - 1828 in Weimar) und Sohn der Großherzogin Anna Amalia ist sicherlich nicht durch sein politisch-militärisches Geschick eine der wichtigsten Persönlichkeiten Weimars und Deutschlands geworden, sondern durch seinen Einsatz für die Bildungspolitik und die Förderung von Künstlern in seiner Umgebung.

Anna Amalia galt als moderne und gebildete Frau, die ein Gespür für die musischen Künste hatte. Dieser Umstand kam dem Erbprinzen Carl August zu Gute, wurde er doch, zusammen mit seinem Bruder Constantin, von dem großen Dichter und Übersetzer Christoph Martin Wieland unterrichtet und erzogen. Der von Anna Amalia im Jahre 1775 gegründete „Musenhof" war eine kulturelle Einrichtung, von der auch Carl August im Sinne des Kulturverständnisses profitieren sollte, nicht zuletzt durch die kulturellen Größen, mit denen sich seine Mutter nach dem Regierungsantritt ihres Sohnes bis zu ihrem Tode umgab.

Das Leben des Erbprinzen war von Bildungsreisen und intensivem Unterricht geprägt. Als 17jähriger unternahm er eine Reise nach Frankreich, auf dessen Rückkehr aus Frankreich traf er dann den von Zweifeln über seine (berufliche) Zukunft gebeutelten Goethe. Der Dichter war dem jungen Thronfolger wohl bekannt und so lud er ihn nach Weimar ein, worauf Goethe vorerst seine geplante Italienreise verschob. So hatte die Stadt ab Herbst 1775 einen neuen wichtigen Bewohner. Zu diesem Zeitpunkt war Carl August schon mit seiner Frau Luise verheiratet und acht Jahre später, 1783, gebar sie dem Fürsten einen Sohn und Nachfolger.

Dem Herzog genügte aber die Regentschaft in seinem kleinen Land nicht. Auch die Freimaurerei befriedigte ihn wenig, weshalb er sich nun in politisch-militärischer Sache, die über sein kleines Reich hinausging, versuchte. Hier verzeichnete er aber nur wenige Erfolge. Er wollte erstmals, mit dem Bestreben einen Fürstenbund zu Gründen, in der Politik Fuß fassen. Der große Erfolg, den er sich dabei versprach, blieb aber aus. Auf militärischer Ebene wurde er unter anderem wegen seiner Verdienste beim Rückzug des Hollandfeldzuges vom Generalmajor (1787) zum Generalleutnant (1794) befördert. Er war Kommandant der preußischen Truppen in den Napoleonischen Kriegen und kam nach der „Schlacht von Jena und Auerstedt" um Haaresbreite mit dem Leben davon, denn er legte sein Kommando nieder und trat dem Rheinbund bei. So konnte er Regent bleiben und wurde nicht von Napoleon entthront.

Auch in dieser Zeit der Umbrüche in ganz Europa, die durch die Französische Revolution ausgelöst wurden, stand ihm der Dichter und mittlerweile gute Freund Goethe bei. Aber diese Zeit des Krieges und der Umstrukturierung in Europa war auch von freudigen und politisch nicht unwichtigen Ereignissen geprägt. Sein Sohn und Nachfolger Karl Friedrich heiratete im Jahre 1804 die russische Zarentochter Maria Pawlowna. Durch diese Verbindung mit dem Zarenhaus wurde Carl August im Jahre der Niederlage Napoleons (1815) zum Großherzog ernannt.

Trotz der militärischen Niederlagen konnte Carl August einige wichtige Neuerungen, auch dank der Verschwägerung mit den Russen, auf dem Feld der Politik erreichen. In dem unter seiner Herrschaft stehenden Land wurde nun, erstmals auf deutschem Boden, eine Verfassung erlassen, deren Gesetze beispielsweise „Freie Meinungsäußerung" und „Pressefreiheit" gewährleisten sollten.

Doch sind dies nicht, wie eingangs erwähnt, die bedeutendsten Leistungen des Großherzogs. Denn durch die enge Beziehung zu Goethe und das von seiner Mutter geschaffene kulturelle Umfeld erfuhr Carl August eine andere Seite des Regierens. In politischer und militärischer HInsicht konnte er sich nicht sonderlich beweisen, dafür war aber sein Gespür für Bildung und Kunst so ausgeprägt, dass er die Wichtigkeit kultureller Bedürfnisse erkannte und in seine Regierungspolitik integrierte. Durch eben dieses Weiterführen der von Anna Amalia ins Leben gerufenen Kulturpolitik und der Förderung der Bildung, ging Carl August als jener „M&aauml;zene", wie ihn Goethe in einem Gedicht beschrieb, der Künste in die Geschichte ein. Die Epoche seines Wirkens auf kultureller Ebene sollte später als „Weimarer Klassik" bekannt werden.

(Quelle: Volker Ebersbach: Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach. Goethes Herzog und Freund, Böhlau Verlag Köln/ Weimar/ Wien 1998)

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