Lese-Reihe

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„Lottes" haben in der Stadt Tradition: Thomas Manns Lotte reiste nach Weimar um Goethe noch einmal zu sehen (sein Kommentar: „Konnt' sie sich's nicht verkneifen, die Alte, und mir's nicht ersparen?"), das Wasser der Lotte, ein zu Goethes Zeiten 30 Meter breiter und 8 Meter tiefer Graben („Lotte-Graben"), Teil der Stadtbefestigungsanlage, mündet heute noch in die Ilm und Radio Lotte, ein kleiner, aber feiner Lokalsender mit kräftiger Stimme.

So ungewöhnlich wie der Name ist auch der Sender, dessen UKW-Frequenz 106,6 zwar nur wenige Kilometer über die Stadt hinausreicht, der aber dennoch über eine enorme Strahlkraft verfügt. Seit August 1999 am Start, liest sich die Liste derer die ehrenamtlich ihre Stimme ertönen lassen und dem Sender sein inhaltliches Gesicht verleihen wie das „Who`s Who" der Klassikerstadt: Vom Schauspieler des Nationaltheaters, dem Studenten der Hochschule für Musik Franz Liszt und der Bauhaus-Uni bis hin zu Künstlern und Lokalpromis der Stadt - hier findet man sie alle. Es wird recherchiert, moderiert und produziert, was das Zeug hält. Von der Landesmedienanstalt, Stiftungen und von seinen eigenen Bürgern getragen, siedelt Radio Lotte seinen Anspruch über dem der Öffentlich-Rechtlichen und Privaten an. Man will Einfluss nehmen. Einfluss auf die Geschicke der Kommune - mehr auf die kulturellen und stadtplanerischen als auf die tagespolitischen, denn bei Lotte überwiegt die künstlerisch-kreative Intelligenz. Und das kommt nicht von ungefähr. Ziehvater und Programmdirektor Mathias Buss, von Haus aus Architekt, Träumer und Lebenskünstler, ist der kreative Kopf des ganzen. Einer, der lieber an der offenen Gesellschaft arbeitet und dafür überall Bürgerbewegte sammelt wie der Rattenfänger von Hameln. So kunterbunt wie die Gesellschaft, die er zu Lotte gelockt hat, so kunterbunt das Programm, was nicht heißen soll, dass es an Tiefgang fehle, im Gegenteil:

Am Vormittag läuft ein Magazin mit Interviews und Talkrunden, selbst produzierten Nachrichten und so manch einem skurrilen Live-Bericht von der Straße. Am Abend ist Spezialsendungszeit, 30 an der Zahl, das Themenspektrum reicht von Musik über Literatur bis hin zur Kunst in all ihrer Vielfalt. Treten Experten wie Konrad Paul, Chef des Goetheinstitutes in Weimar, oder der Musikprofessor Wolf Günther Leidl hinter das Mikrofon, dann scheint Bertolt Brechts Radiovision, aus passiven Empfängern aktive Sender zu machen, Wirklichkeit zu werden.

So bürgernah sich Lotte gibt, der Sender ist kein offener Kanal. Mit einer festen Sendestruktur versteht man sich als „Kunstradio mit journalistischem Anspruch, das sich keiner politischen Strömung, sondern nur konstruktiver Problemlösung verpflichtet fühlt" (Zitat Mathias Buss).

Radio Lotte ist schon längst eine Institution und gehört zu Weimar wie Goethe, Schiller und die Bratwurst. Und was hat Lotte mit Letzterer gemeinsam? Die 1A-Lage! Seit Mai dieses Jahres residiert Lotte im vornehm klassizistischen Nike Tempel (ehemals „Lesemuseum"). 1859/60 auf Maria Pawlownas Kosten für die 1831 gegründete Lesegesellschaft erbaut, sollte es ihren Mitgliedern und der Öffentlichkeit den Zugang zu Zeitschriften ermöglichen. Auch Lottes Türen stehen jedem offen und es präsentiert sich ein Radio zum Anfassen: Im geräumigen ehemaligen Lesesaal brennt die Redaktionsluft, Aktualität ist oberstes Gebot. Mittendrin ein gläsernes Studio mit den Moderatoren und Gästen.

„Wir wollen, dass sich Lotte immer mehr zu einem Stadtereignis entwickelt", so Mathias Buss noch 2001 gegenüber der „Welt". 2008 kann man sagen: Lotte, du bist ein Ereignis!

Eure Karla Augusta