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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Geburtsstätte des Wortes

Geburtsstätte des Wortes "Tollpatsch"

Carolin Eberhardt

Eine Weimarer Kreation?

Das Wort „Tollpatsch“ hat wohl nach allgemeinem sprachwissenschaftlichen Verständnis seinen Ursprung in der ungarischen Sprache. Eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich in Anlehnung an das ungarische Wort „talpas“ auch finden. Doch während auch heute noch die Diskussion entfacht ist, welche Herkunft dem Wort zugeschrieben werden sollte, gibt die traditionelle Weimarer Sage Aufschluss über diese Frage.

Im 17. Jahrhundert noch mit einem „l“ geschrieben, war es wohl ursprünglich die etwas spöttische Bezeichnung für eine bestimmte Art ungarischer Fußsoldaten oder Polizisten. Da „talpas“ im Deutschen mit breitfüßig übersetzt wird, wundert es nicht, dass wir im heutigen Sprachgebrauch einen ungeschickten Menschen mit der Bezeichnung Tollpatsch versehen. Die Geburtsstunde aber geht auf die Regierungszeit von Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar-Eisenach zurück, welcher beschlossen hatte, seine Schlösser und Jagdhäuser durch eine besondere Kompanie bewachen zu lassen. Zu diesem Zweck wies er einen seiner Offiziere dazu an, „Tolpatschen“  in Ungarn zu rekrutieren. Anlass genug für die Weimarer, nach der Ankunft der plump und grobschlächtig wirkenden ungarischen Soldaten, diese zur Zielscheibe manch spöttischer Äußerung werden zu lassen. Durch den fortdauernden Gebrauch des Wortes übertrug sich die Bezeichnung schon bald allgemein auf Personen, welche in ihren Verhaltensweisen den ungarischen Soldaten glichen.

 

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Textquelle:

In Anlehnung an: Mitzschke, Ellen und Paul: Sagenschatz der Stadt Weimar und ihrer Umgegend, Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, 1904.

 

Bildquelle:

Vorschaubild: Missgeschicke, 1633, Urheber: Valentin Wagner via Wikimedia Commons  gemeinfrei.

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