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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Ein junges Lämmchen weiß wie Schnee

Ein junges Lämmchen weiß wie Schnee

Der bekannte Weimarer Verleger Friedrich Justin Bertuch ist heute hauptsächlich durch seine Tätigkeit als Verleger in der Weimar in Erinnerung geblieben. Aber auch seine zwölfbändige Reihe „Bertuchs Bilderbuch“ ist heute noch bekannt. Das er selbst allerdings die Dichtkunst für sich entdeckte, sich insbesondere im Genre der Kinderliteratur versuchte, ist hingegen eher unbekannt. Nur wenige seiner Gedichte sind heute frei zugänglich. Die Geschichte des unvorsichtigen Lämmchens, das sich ein Bein bricht, weil es nicht auf die Ermahnung seiner Mutter hören will, ist eine davon. Veröffentlicht wurde das Stück mit elf weiteren seiner Art in der Publikation „Wiegenliederchen: an die kleine Gräfin Caroline“ 1772. Die heute überlieferte Melodie wurde zu einem späteren Zeitpunkt durch den deutschen Komponisten Johann Friedrich Reichardt ergänzt. Weitere von Bertuchs Kinderdichtungen wurden zudem in „Wiegenliederchen für deutsche Ammen“ im Jahr 1775 veröffentlicht, deren Vertonung durch Ernst Wilhelm Wolf erfolgte.

Carolin Eberhardt

1. Strophe

Ein junges Lämmchen weiß wie Schnee

ging einst mit auf die Weide;

mutwillig sprang es in den Klee

mit ausgelassner Freude.

 

2. Strophe

Hopp, hopp, ging's über Stock und Stein

mit unvorsicht'gen Sprüngen.

„Kind“, rief die Mutter, „Kind, halt ein!

Es möchte dir misslingen!“

 

3. Strophe

Allein das Lämmchen hüpfte fort,

bergauf, berab mit Freuden,

doch endlich musst`s am Hügel dort

für seinen Leichtsinn leiden.

 

4. Strophe

Am Hügel lag ein großer Stein,

den wollt' es überspringen:

Seht da! Es springt und brach ein Bein;

aus war nun Lust und Springen.

 

5. Strophe

Ihr lieben muntern Kinder, schreibt

dies tief in eure Herzen:

Die Freuden, die man übertreibt,

verwandeln sich in Schmerzen.

Notendownload: hier

 

*****

Bilder/Notensatz: Carolin Eberhardt.

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