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Familie Stauffenberg: Hitlers Rache

Ursula Brekle

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg war als Ehefrau von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Schlüsselfigur im Widerstand gegen Hitler, von Anfang an in die Widerstandspläne ihres Mannes einbezogen. Sie bewies Mut und Stärke, obwohl sie nach der Ermordung ihres Mannes im Gefängnis und im KZ leben musste. Auch durch den Verlust von Angehö-rigen durchlebte sie eine leidvolle Zeit. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 drohte Himmler:
„Die Familie Stauffenberg wird ausgelöscht bis ins letzte Glied.“
Vor Ihnen liegt die spannungsreiche Geschichte, die beweist, dass es Himmler nicht gelungen ist, die Drohung wahrzumachen. Die jüngste Tochter von fünf Geschwistern Konstanze wurde noch während der mütterlichen Haft geboren. Sie berichtete vom 90. Geburtstag ihrer Mutter Nina, auf dem über 40 Nachkommen zusammengekommen waren. Die Nationalsozialisten haben trotz Hinrichtungen und perfider Sippenhaft nicht gewonnen.

Die Todesmarsch-Stele in Weimar

Die Todesmarsch-Stele in Weimar

Anette Huber-Kemmesies

In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges wurden die Häftlinge sämtlicher bestehender Konzentrationslager des Dritten Reiches auf eine Reise ins Ungewisse geschickt. Sie wurden zu Opfern der sogenannten Todesmärsche, wobei der Begriff erst nach dem Zweiten Weltkrieg von den Überlebenden geprägt wurde. Unter den Opfern waren neben jüdischen Gefangenen beispielsweise auch Regimegegner, Deserteure und Homosexuelle, die aufgrund ihrer Neigungen als geisteskrank galten. Der Todesmarsch hatte den Zweck, die Gefangenen zu deportieren, da bei dem bevorstehenden Kriegsende die Außenlager „evakuiert" werden mussten. Von einer Evakuierung im Sinne einer Rettungsaktion zum Schutz der Inhaftierten kann aber nicht die Rede sein, da viele Marschunfähige einfach erschossen wurden oder durch die Anstrengungen starben. Die Märsche waren von unterschiedlicher Länge. Zu Fuß, nur mit dem nötigsten bekleidet und selten eine wärmende Decke gegen die winterliche Kälte und Geschirr dabei, welches bei der Verteilung von Nahrung wichtig war, wurde unter der strengen Aufsicht von Soldaten losmarschiert. Viele der Häftlinge kamen nie an ihrem Ziel an. Zum einen lag dies an den vielen Todesopfern während der Märsche. Zum anderen wurden die Deportationsmärsche aus beispielsweise Auschwitz von Truppen der alliierten Mächte gestoppt, denn die russische Armee rückte immer schneller vor. Von Januar bis März 1945 erreichten 19350 Häftlinge aus den polnischen Lagern das Thüringer Stammlager Buchenwald.

Auch aus den zahlreichen Außenlagern des KZ Buchenwald, wie beispielsweise den Außenlagern Apolda oder Altenburg, wurden die Häftlinge wie Vieh Richtung Hauptlager auf dem Ettersberg getrieben. Insgesamt gab es 88 Außenlager und das Stammlager Buchenwald, in denen sich 112000 Insassen befanden (Stand: Februar 1945).

Das immer näher kommende Kriegsende und die alliierten Truppen zwangen das NS-Regime zum Handeln. Die Auflösung der Konzentrationslager, nicht nur in Thüringen, sondern auch in ganz Deutschland und dem besetzten Polen, war ein Vertuschungsversuch der Verbrechen an den Gefangenen. Im April 1945 wurden nun auch Deportationsmärsche für das unsicher gewordene Stammlager Buchenwald angeordnet, da von Westen die alliierten Mächte vorrückten. 28000 Menschen wurden auf einen Marsch von über 300 km Länge Richtung KZ Dachau, Flossenbürg und zum Ghetto Theresienstadt geschickt. 21000 Häftlinge, die im KZ Buchenwald zurückblieben, konnten durch die US-Armee befreit werden.

Wie viele Opfer es auf den Märschen insgesamt, sowie insbesondere auf denen des KZ Buchenwald und dessen Außenlagern gab, wird wohl nie eindeutig geklärt werden. Schätzungen zufolge liegt die Zahl der Todesopfer der Todesmärsche von Buchenwald zwischen einigen wenigen und 15.000.

In Thüringen wurden eine Vielzahl von Mahnmeilen und Steinen errichtet, die an die Opfer der Märsche erinnern sollen. Eines davon befindet sich in der Ettersburger Straße Ecke Rießner Straße in Weimar. Diese Buchenwald-Stele wurde im Jahre 1983 eingeweiht und zeigt die Marsch- und Transportrouten der Buchenwald-Opfer.

(Quelle: Katrin Geißner: Die Todesmärsche von Buchenwald. Räumung. Befreiung. Spuren der Erinnerung. Wallstein Verlag, Göttingen 2008.)

Bildquelle: Mazbln. Crawinkel, Gedenktafel für den Buchenwald-Todesmarsch

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