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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Des Dichterfürsten Geisteraugen

Des Dichterfürsten Geisteraugen

Wilhelm von Arnim

Gruselig anmutend ist so manche Sage. Von diesen gibt es über Weimar und sein Umland reichlich zu berichten. Da Goethe bereits zu Lebzeiten stets im Fokus und Interesse der Öffentlichkeit stand, verwundert es nicht, dass der berühmte Schriftsteller als gespenstischer Protagonist in einer überlieferten Weimarer Sage des 19. Jahrhunderts auftaucht. Die vorliegende schauerliche Legende wurde von Wilhelm von Arnim erdacht und 1880 veröffentlicht. Erschienen ist das Gedicht zum einen in der Weimarischen Zeitung zum anderen in der Veröffentlichung Sagenschatz der Stadt Weimar und Umgegend. Das Stück ist in Reimform gestaltet und ähnlich einer Ballade aufgebaut. Dabei verwendet von Arnim Zitate aus Goethes Werken, so zum Beispiel: „Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, Ist eingeweiht (für alle, alle Zeiten)!" Der Vers stammt aus Goethes Torquato Tasso (1807. 1. Akt, 1. Szene, Leonore zur Prinzessin)

Carolin Eberhardt


uf Weimars stillen Gassen ruht die Nacht.

Doch sieh! Des Dichterfürsten ödes Zimmer,

wie leuchtet’s mit geheimnisvollem Schimmer,

als wenn noch einsam spät ein Denker wacht!


Nein! Nein! Was treibt dein reger Geist für Possen!

Bewahrt ist unter frommer Enkel Hut

Der Baum, wo er gewirket und geruht,

wo er auf immer einst sein Aug‘ geschlossen.


Und doch! Phosphorisch leuchtet’s durch den Park;

Nicht dringt’s durch der geschloss’nen Laden Spalten,

Nicht durch des Vorhangs längst vermorschte Falten,

Die Laden selbst erglühen bis ins Mark!


Gleichwie zwei große Geister-Augenlider

Erhellen sie das einsam traute Dach.

Darunter einst des Sängers Auge brach,

Und rufen uns das Bild des Sehers wieder.


Was soll solch seltsam Wunderzeichen deuten?

Selbst aus des Dichters Munde wird mir Rat!

„Die Stätte, die ein guter Mensch betrat,

Ist eingeweiht für alle, alle Zeiten!“


Vielleicht nur gohr vermolmend hier das Holz

Und brach mit leicht erklärbarem Gefunkel

Durch des tiefschatt’gen Dichtergarten Dunkel.

Doch noch aus der Verwesung ruft es stolz:


„Licht war des Dichterfürsten hehrstes Streben.

Mit seines Götterauges hellem Strahl

Zwang er der finst’ren Geister große Zahl;

Drum glänzt noch seine Stätte wie im Leben.“


Nicht Täuschung ist solch wunderbar Gesicht,

Nicht schuf mein Geist nur träumende Legende.

Daß seine Erdensendung er vollende,

ruft noch sein Geisterauge: „Licht! Mehr Licht!“



*****

Bildquellen:

Vorschaubild: Goethes Wohnhaus: Florian Russi; Gemälde von Johann Wolfgang von Goethe, Quelle: Gerhard von Kügelen, 1810 via Wikimedia Commons gemeinfrei; neu bearbeitet von Andreas Werner.

Goethes Wohnhaus in Weimar am Frauenplan, 2003, Urheber: Owron via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0; Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John. Ölgemälde von Johann Joseph Schmeller, 1834 via Wikimedia Commons gemeinfrei; Ein Engel befreit fünf Arme Seelen aus dem Fegefeuer; Stundenbuch der Katharina von Kleve, Morgan Library & Museum, 1440 via Wikimedia Commons gemeinfrei; neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.


Textquellen:

Gedicht entnommen aus: Mitzschke, Ellen und Paul: Sagenschatz der Stadt Weimar und ihrer Umgegend, 1904, S. 53f.

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