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Museum Neues Weimar

Museum Neues Weimar

Carolin Eberhardt

Als Großherzogliches Museum eröffnete das Gebäude, die heutige Adresse ist der Jorge-Semprún-Platz 5, am 27. Juni 1869 feierlich seine Pforten für die ersten neugierigen und kunstbegeisterten Besucher. An Sonn- und Feiertagen sowie mittwochs konnten Museumsgänger die Ausstellung anfänglich sogar kostenlos begehen. Als einer der ersten deutschen Museumsneubauten blickt das Gebäude, dessen Errichtung 60.000 Taler kostete, auf eine über hundertjährige bewegte, mit dem Kunstgewerbe eng verbundene Geschichte zurück. Einen imposanten Blickpunkt bildet das Museum auch heute noch.


Seine Anfänge nahm das Bedürfnis nach einer öffentlichen Kunstausstellung mit der Begründung des sogenannten Kunstkabinetts durch Herzog Wilhelm Ernst um 1700, welches in der Anna-Amalia-Bibliothek erstmalig errichtet wurde. Neben der Lorenzischen Kunstsammlung, der Elfenbeinsammlung Herzog Wilhelms IV. und diversen Kunstgegenständen fanden sich hier weitere Sammlungen der Bereiche Natur und Kunst, aber auch des Handwerks. Zeichnungen und Kupferstiche wurden in starken Bänden gebunden. Auch die Bibliothek selbst bestach damals schon durch einige plastische Werke und Gemälde. Ganzer Stolz waren die von Lucas Cranach d. J. gefertigten drei Kurfürstenbilder, die als einzige aus der Bildergalerie vor dem Schlossbrand 1774 bewahrt werden konnten. Erweitert wurde die Kunstsammlung später durch Carl August, welcher diese mit dem reichen Kunstnachlass der Herzogin Anna Amalia bereicherte. Auch die durch Carl August 1804 erworbenen Carstens’schen Zeichnungen wurden in die Sammlung aufgenommen. Die antreibende Kraft für die Etablierung einer öffentlichen Kunstpflege entsprang allerdings nicht dem Fürstenhaus, viel mehr entstammte die Anregung für ein solches Vorhaben der Organisation der „Freien Zeichenschule“, welche 1775 gegründet und von Goethe bis zu seinem Tod gepflegt wurde. Gemeinsam mit Heinrich Meyer, welcher die Betreuung der Schule nach Goethes Ableben übernahm, entwarf er ein neues Lehrkonzept, in welchem Lernziele und Methoden der Bildungseinrichtung abgebildet wurden. Für die Ausbildung wurde ein großer Bestand an Kunstwerken, zum einen aus dem fürstlichen Besitz für die Schule zur Verfügung gestellt, zum anderen durch die Zeichenschule selbst erworben. Als 1809 Ferdinand Jagemann als Professor in der Institution eine Anstellung fand und die Schulerweiterung für die Auszubildenden den Abschluss eines angehenden Künstlers ermöglichte, entstand die Intention, eine öffentliche Kunstsammlung ebenso zu etablieren wie eine für den Zweck der Künste und Wissenschaften berufene Behörde, die „Oberaufsicht für Wissenschaft und Kunst“. Kein geringerer als Goethe selbst verfasste auf Anregung Carl Augusts am 22. Juli 1809 ein Gesuch an den Geheimrat von Voigt, mit dem Vorschlag, neben den Räumen der seit 1808 in das Fürstenhaus verlegten freien Zeichenschule „auf eine schickliche und geschmackvolle Weise eine Ausstellung (der zerstreuten Kunstwerke) vorzunehmen, welche einheimischen und auswärtigen Kunstfreunden, sowie den Studierenden, höchst angenehm und nützlich sein müsste“.

Bereits am 3. August 1809 wurde der Antrag durch den Herzog genehmigt und der Kunstnachlass der Anna Amalia, die Carsten’schen Zeichnungen sowie weitere Kunstwerke in zwei Zimmern des Fürstenhauses ausgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Jahr 1822 wurde auf mündliche Anordnung Carl Augusts der Umzug von 185 Gemälden, 90 Zeichnungen und 13 plastischen Werken unter Goethes Aufsicht aus dem Kunstkabinett in das Jägerhaus realisiert. Seit 1807 befand sich in dem Gebäude bereits auf Grund steigender Schülerzahlen die Fürstliche freie Zeichenschule Weimar. Nun wurde hier unter der Aufsicht von Professor C.Müller ein Museum in sechs Zimmern aufgestellt. Auf Veranlassung der Großherzogin Maria Pawlowna wurde die Kunstsammlung 1836 in den großen Saal des Fürstenhauses verbracht und somit die räumliche Trennung von Kunstausstellung und Zeichenschule bewirkt. Da auch Maria Pawlowna dem Kunsthandwerk sehr zugetan war, die Sammlung weiter vergrößerte und das Fürstenhaus für die Ausstellung auf Grund der Einrichtung für ständische Zwecke nicht mehr genutzt werden konnte, verteilten sich die Exponate, darunter nunmehr Zeichnungen von Cornelius und Genelli, teils im Wittums-Palais, teils in den Wohnräumen der Anna Amalia, aber auch an verschiedenen anderen Orten. Die Verwaltung erfolgte durch Oberaufsichtssekretär Schuchardt bis zu seiner Pensionierung 1868. Die Räumlichkeiten des Wittums-Palais, zuvor schon flächentechnisch beschränkt und ungenügend für den Zweck einer Kunstausstellung, wurden durch den ständigen Zuwachs an weiteren Gemälden und plastischen Werken noch beengender, so dass dem bereits zuvor erweckten Bedarf nach der Errichtung eines eigenen Museumsgebäudes durch den Entschluss Carl Alexanders Raum gegeben wurde. Ausschlaggebend für die Gesinnung des Herzogs war nicht allein die Raumnot des Wittums Palais, sondern vielmehr die Erschaffung einer monumentalen Halle für die von ihm in Auftrag gegebenen Wandgemälde der Odyssee von Preller. Die Mehrkosten, also die über die durch den Weimarischen Landtag genehmigten 60.000 Taler zum Bauprojekt hinaus entstehenden Kosten, so verfügte Carl Alexander, würde er selbst tragen. Das Gebäude sollte mit Beschluss von September 1863 nach Plänen des Architekten Josef Zitek realisiert werden. Eine neue Stadtanlage mit dem Museumsneubau als Zentrum wurde ebenfalls geplant. Unter Leitung des Architekten und Unterstützung durch Dr. Stegmann als Bauleiter begann der Bau im Oktober 1863. Weitere 7.750 Taler wurden für die Anschaffung von Gipsabgüssen durch den großherzoglichen Landtag genehmigt, für den jährlichen Verwaltungsaufwand des Museums 2.700 Taler festgesetzt.

Die großherzoglichen Kunstsammlungen, welche außer Gemälden Kunstgegenstände wie Elfenbein-, Holz- und Metallarbeiten enthielten, sollten durch den Ankauf weitere Exponate im Bereich der Fotografien, Stiche und Abgüsse ergänzt werden, um eine möglichst anschauliche und vielfältige Ausstellung des Kunstgewerbes abzubilden. Zu diesem Zweck erließ das großherzogliche Staatsministerium einen Aufruf an Kunstliebhaber und Kunstgewerbetreibende in Weimar, mit der Bitte um die Überlassung weiterer Kunstgegenstände. Später stellte das Museum auch Werke der Weimarer Malschule aus. Seit 1875 wurde der Vorplatz des Museums durch den von Robert Härtel entworfenen und heute nicht mehr existenten Vimaria-Brunnen verziert.


Nach der Abdankung der Weimarer Herzogsfamilie 1919 wurde das Museum in „Thüringisches Landesmuseum“ unbenannt. Seit den beginnenden 1920er Jahren fanden hier wegeweisende Ausstellungen moderner Kunst statt. Bei den Luftangriffen auf Weimar im März 1945 wurde das Dach durch Luftminen beschädigt, in der Nachkriegszeit erfuhr es mit der 1. Thüringer Kunstausstellung 1946 ein vorerst letztes Aufleben, bevor der Ausbau aller verwertbaren Materialien für die Verwendung in anderen Gebäuden einsetzte. Auch aus diesem Grund fiel das Museumsgebäude ab 1948 einem allmählichen Verfall anheim. Der katastrophale Zustand führte in DDR-Zeiten sogar zu Überlegungen bezüglich einer Sprengung. Glücklicherweise wurden diese Pläne nicht umgesetzt. Vielmehr wurden schon zu Wendezeiten die Forderungen engagierter Weimarer laut, das Gebäude wiederaufzubauen. Im Zeitraum von 1996 bis 1998 erfolgte die ersehnte Restauration des Museums, so dass es bereits 1999, pünktlich zum Kulturstadtjahr, als Neues Museum wiedereröffnet werden konnte. Bis 2017 fanden hier verschiedene Wechselausstellungen statt.


Die Gemälde Friedrich Prellers des Älteren gehören nach wie vor zu den wichtigsten Exponaten des heutigen Museum Neues Weimar. Daneben bietet Carl Steinhäusers Statue „Goethe und Psyche“, die der deutsche Bildhauer 1851 nach einem Entwurf von Bettina von Arnim gestaltet hat, einen weiteren Blickpunkt. Weiterhin können herausragende internationale Werke des Realismus, Impressionismus und des Jugendstils bewundert werden. Die frühe Moderne mit Werken der Weimarer Malerschule bis hin zu internationalen Kunstwerken sowie Ausstellungsstücken von Henry van de Velde sind in der Dauerausstellung „Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900“ vertreten, welche  seit April 2019 besteht. Eine Museumswerkstatt lädt Besucher dazu ein, handwerkliche Arbeiten selbst zu praktizieren. So können hier beispielsweise Einblicke in das Buchbindehandwerk oder die Holzbearbeitung gewonnen werden.

 

Adresse:

Jorge-Semprún-Platz 5
99423 Weimar

 

Öffnungszeiten

Mo/Mi - So 9:30 - 18:00 Uhr
Di geschlossen

 

 

 

 

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Textquelle:

Landtags-Verhandlungen vom Jahre 1877: Summarische Zusammenstellung der in den Jahren 1872, 1873 und 1874 stattgehabten Tilgung an der gesammten Staatsschuld des Großherzoguthums Sachsen-Weimar-Eisenach und der dazu verwendeten Mittel, S. 346.

Catalog des Grossh. Museums zu Weimar, dritte Ausgabe, 1873.Carl von Lützow (Hrsg.): Zeitschrift für Bildende Kunst mit dem Beiblatt Kunst-Chronik, dreizehnter Band, Leipzig: Verlag von E. A. Seeman, 1878.

Bildquellen:

Vorschaubild sowie

Ein Blick auf das Museum, dahinter die beginnende Carl-August-Allee von Carolin Eberhardt.

Eröffnung der Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes im Großherzoglichen Museum, 1906, Urheber: Louis Held via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Das Museum mit dem Vimaria-Brunnen um 1900, Urheber: Zedler & Vogel via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Statuen von Friedrich Nietzsche vor Wandbildern von Friedrich Preller dem Älteren, 2019, Urheber: Wuselig via Wikimedia Commons CC0.

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