Im Park an der Ilm, in dem auch Goethes berühmtes Gartenhaus steht, befindet sich seit Ende des Zweiten Weltkriegs ein russischer Soldatenfriedhof, gemeinhin Sowjetfriedhof genannt. Hier wurden in den Jahren 1945/46 insgesamt 640 im Krieg getötete bzw. an Kriegsfolgen verstorbene Angehörige der Roten Armee bestattet. Der Friedhof liegt unmittelbar neben dem Eingang zur Parkhöhle sowie dem Denkmal für Friedrich Liszt. Nach 1946 wurde er nicht mehr belegt. Die Sowjetische Militärverwaltung richtete einen neuen Soldatenfriedhof im nicht weit entfernten Belvedere Park ein und nutzte ihn bis vor dem Abzug der sowjetischen Truppen im Jahr 1994.
Die Gräberstätte im Ilmpark besteht hauptsächlich aus Reihen von anonymen Steinquadern. Die Soldaten sind unwiederbringlich um ihr Leben gebracht worden. Für ihre Hinterbliebenen ist es vielleicht ein kleiner Trost, dass es ein kulturhistorisch bedeutsamer Ort ist, an dem sie ihre letzte Ruhe gefunden haben.
Kriegsgräber werden heute in den meisten Ländern der Welt als Mahnstätten für Frieden und Völkerverständigung verstanden. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich gegenüber den Folgestaaten der ehemaligen Sowjetunion vertraglich verpflichtet, die in Deutschland gelegenen sowjetischen Gräberstätten in Ehren zu halten und zu pflegen. Nach einer Auskunft der Bundesregierung befanden sich im Jahr 1998 auf dem Gebiet des Freistaats Thüringen insgesamt 17.661 sowjetische Kriegsgräber. Der Krieg hat zahlreiche Spuren hinterlassen.
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Fotos: Florian Russi