Weimar-Lese

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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Herzog Wilhelm Ernst

Herzog Wilhelm Ernst

Florian Russi

Er war der Mann, der Johann Sebastian Bach ins Gefängnis werfen ließ. Wilhelm Ernst, Sohn des Herzogs Johann Ernst II. (1627-1683) regierte 45 Jahre lang, davon 11 Jahre zusammen mit seinem Bruder Johann Ernst III. (1664-1707), über das Herzogtum Sachsen-Weimar.

Er soll ein eigenwilliger und bigotter Despot gewesen sein. Anderseits hat er die kulturelle Entwicklung Weimars nachhaltig gefördert. Er gründete das erste Gymnasium in der Residenzstadt, indem er der bisherigen Stadtschule einen neuen Status verlieh.

An dieser Schule, die bis heute seinen Namen trägt, unterrichteten später Geistesgrößen wie der Schriftsteller Johann Carl August Musäus (1735-1787), der Kunsthistoriker und Schriftsteller Karl August Böttiger (1760-1835) sowie der Goethe-Vertraute Friedrich Wilhelm Riemer (1774-1845).

Herzog Wilhelm Ernst, geboren 1662 in Blankenhain (Holstein) und gestorben 1728 in Weimar, baute die fürstliche Bibliothek, Vorläuferin der heutigen Anna-Amalia-Bibliothek, zu einer der größten in Europa aus. Auch förderte er bildende Kunst und Musik. Er begründete die Weimarer-Kunstsammlung und rief eine Staatskapelle und eine Musiktheater ins Leben. Er war es auch, der Johann Sebastian Bach nach Weimar berief. Als dieser nach neun Jahren die Residenzstadt wieder verlassen wollte, ließ Wilhelm Ernst ihn in Beugehaft nehmen. Vier Wochen gab er ihm Zeit, seine Abschiedspläne zu überdenken. Doch Bach beugte sich nicht und verließ Weimar in Richtung Köthen.

Wilhelm Ernst war ein sparsamer Landesherr. Doch als das in Weimars Nähe gelegene Schloss Kromsdorf versteigert wurde, griff er zu und rettete es vor dem Verfall. Weimarer Bürger dankten es ihm, indem sie einen Wanderweg, der von Schöndorf zum Kromsdorfer Schloss führt, nach ihm benannten.

Herzog Wilhelm Ernsts Gebeine ruhen in der Goethe-Schiller-Gruft auf dem Historischen Friedhof in Weimar.

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