Weimar-Lese

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Florian Russi

Wir sind die Peene-Kapitäne

Das kleine Heft ist für die Kinder des Kindergarten "Peene-Kapitäne" in Berlin entstanden. Darin finden sich mehrere farbig illustrierte Geschichten, die nicht nur die Fantasie der Kinder anregen sollen, sondern v. a. auch Selbstbewusstsein vermitteln und das "Wir"-Bewusstsein stärken. Die Illustrationen stammen von der Künstlerin Petra Lefin.

Das Heft ist auf Initiative des twsd in Berlin und Brandenburg entstanden.

Corona Schröter

Corona Schröter

Carolin Eberhardt

Goethe und Carl August verehrten sie

Als eine der bekanntesten und beliebtesten Sängerinnen und Schauspielerinnen des Weimarer Hoftheaters sollte die schöne Corona Schröter in die Geschichte eingehen.  Goethe höchstpersönlich sorgte einst für ihre Anstellung am Weimarer Liebhabertheater und förderte sie unablässig, unter anderem durch ihre Besetzung in den Hauptrollen seiner Werke. Ein wenig Eitelkeit war der aus einer Musikerfamilie stammenden Grazie doch eigen, gab sie doch stets als ihr Geburtsjahr 1755 an, obwohl sie bereits 1748 das Licht der Welt erblickte. Diese Tatsache allerdings schien eine allgemein verbreitete Eigenheit in der weiblichen Darstellerbranche zu sein. Coronas Geburtsort Guben bot für ihren Vater, Johann Friedrich Schröter, welcher  später als Polnischer und Kurfürstlich Sächsischer Hofoboist tätig war, nicht ausreichend Raum zur Ausübung seiner Künste, so dass die Familie 1755 nach Warschau übersiedelte. Der Umzug ermöglichte Corona in den folgenden Jahren eine mehrsprachige Erziehung, eignete sie sich doch in Warschau neben Polnisch auch in spielerischer Weise Französisch, Englisch und Italienisch an. Ebenso wie ihre Brüder Johann Samuel und Heinrich sowie ihre jüngste Schwester Marie zeigte die erstgeborene Tochter nicht nur ein frühes Interesse an Kunst und Musik, sondern auch eine ungewöhnliche Begabung in diesen Bereichen. Für die frühe Förderung dieser Fähigkeiten sorgte ihr Vater in höchstem Maße und führte eigens die gesangliche Ausbildung seiner Tochter durch. Ob dies für die spätere Karriere Coronas förderlich war oder nicht, sei an dieser Stelle dahingestellt. Heinrich Stümcke, welcher 1904 eine Biografie über Corona veröffentlichte, sieht in der väterlichen Gesangsausbildung eher einen negativen Einfluss, waren sich doch die Fachleute der Gesangskunst damals schon einig, dass eine berufsmäßige Ausbildung der Singstimme, wird sie vor dem sechszehnten Lebensjahr ausgeübt, eher einen Schaden der Stimmbildung denn einen Nutzen hervorrufen kann.

Im Alter von 12 Jahren zog die Familie Schröter nach Leipzig, wo sich kurz nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges ein reges musikalisches Leben entfaltete. Durch die jahrelange Beziehung zu dem Kantor Johann Adam Hiller konnte sich nicht nur Johann Friedrich Schröter selbst schnell ein stabiles Standbein in der künstlerischen Branche Leipzigs erobern, sondern auch seine begabten Kinder wirkten ab 1763 an der Seite Hillers. Erfolgreiche Jahre, enorme positive Resonanz und die bedeutende Rolle als Primadonna sollte die Leipziger Zeit für Corona bereithalten. An dieser Stelle soll aber ein Hauptaugenmerk auf ihre Schaffenszeit am Weimarer Musenhof gelegt werden.

Zu vermuten ist, dass Corona bereits zuvor die Bekanntschaft mit den Weimarer Hofherrschaften machen durfte, denn in einem Brief an Goethe lässt sie die besten Grüße an Carl August ausrichten. Auch war sie bereits mit dem damals in der Funktion des Hofsekretärs tätigen Friedrich Justin Bertuch bekannt, was aus zwei sehr vertraut wirkenden Briefen der Jahre 1774 und 1775 hervorgeht. Da nun die Vokalistinnen der Hofkapelle, Frau Karoline Wolf und Frau Friederike Steingardt, wie der Weimarer Hof- und Adreßkalender von 1776 schildert, nicht den musikalischen und gesellschaftlichen Ansprüchen genügten, fiel in einem Gespräch zwischen Anna Amalia und Goethe wohl sehr schnell der Name Coronas als eine gut gewählte Alternative. Durch Goethes Besuch „des guten Hillers“ (Goethes Aufzeichnungen), den „erfreulichen Darstellungen (der schönen Corona) (…) im Haus der Familie Breitkopf“ (Reichardt) und den häufigen Besuchen bei der Familie Oeser pflegten Goethe und Corona doch nahezu regelmäßigen Kontakt. Daher wundert es nicht, dass Goethe sich freudig dazu bereit erklärte, Corona Schröter an das Weimarer Hoftheater zu holen. Nach seiner Ankunft in Leipzig berichtet er in einem Brief an Charlotte von Stein: „Die Schröter ist ein Engel, wenn mir doch Gott so ein Weib bescheeren wollte, daß ich Euch könnt in Frieden lassen. Doch sie sieht Dir nicht ähnlich genug. Ade.“

Nicht sofort willigte die begabte Sängerin in den Vorschlag Goethes ein, ihre Karriere in Weimar weiterzuführen. Zu stark waren die Bande zu ihrem väterlichen Lehrer Hiller. Lange Zeit ist davon ausgegangen worden, dass Schröter erst 1777 oder gar 1778 nach Weimar siedelte. Doch geschah dies bereits im November 1776. Mit einem Gehalt von 400 Talern wurde die junge Sängerin, ihrem bisherigen Gehalt des Leipziger Großen Konzertes entsprechend, am Weimarer Theater angestellt. Am 24. November erfolgte Coronas erster Auftritt bei Hofe. Da ihre stimmliche Konstitution nachzulassen drohte, nahm sie am 27.Dezember, auf Anraten Goethes, ihre schauspielerischen Talente auszubauen, erstmalig an der Redoute teil. Doch bereicherte Corona nicht nur als neue Schauspielerin den Weimarer Hof. Neben Goethe war auch bald Carl August ihrer Schönheit verfallen. Mit Goethe pflegte sie eine regelmäßige gemeinsame Freizeitgestaltung und auch der Herzog gesellte sich nun häufiger in geselliger Runde zu den beiden. Laut Böttiger, der „männlichen Klatschbase von Weimar“, solle der Herzog der bei Bertuch einquartierten Corona wohl täglich einen Besuch abgestattet haben. Doch genug der durch Coronas Schönheit angestachelten Gerüchte. Fakt ist, sowohl Goethe als auch Carl August scheinen die schöne Künstlerin verehrt und häufig um ihre Gesellschaft gebeten zu haben.

Doch auch die schauspielerische Leistung Coronas entwickelte sich positiv, stand sie doch schon bald als Darstellerin der Iphigenie auf der Bühne. Ebenso spielte sie in Goethes Singspiel „Die Fischerin“ die Hauptrolle, welches 1782 in Tiefurt uraufgeführt wurde. Schröters vielseitige Begabung zeigt sich auch in verschiedenen Vertonungen von Goethes Werken, zum Beispiel zu der Ballade vom Erlkönig. Auch veröffentlichte sie die Vertonungen der Fischerin sowie eine Sammlung von 25 Liedern (1778).

Ab 1788 erfolgte ein verstärkter Rückzug aus der höfischen Gesellschaft, 1802 verstarb Corona in Anwesenheit einer langjährigen Freundin, Wilhelmine Probst, im Sächsischen Hof in Ilmenau an Tuberkulose. Ihre Beisetzung erfolgte auf dem Ilmenauer Friedhof, wo auch heute noch auf dem historischen Abschnitt ihre Ruhestätte besichtigt werden kann.   

 

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Textquelle:

Stümcke, Heinrich: Corona Schröter, Bielefeld und Leipzig: Verlag von Velhagen und Klasing, 1904.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Corona Schröter, Gemälde von Anton Graff (1787) via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Corona Schröter von Goethe am 19. Juli 1777 gezeichnet via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Selbstportrait der Schauspielerin und Sängerin Corona Schröter, 18. Jh. via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

 

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