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London kommt!

Pückler und Fontane in England

Klaus-Werner Haupt

Hardcover, 140 Seiten, 2019

Im Herbst 1826 reist Hermann Fürst von Pückler-Muskau erneut auf die Britischen Inseln, denn er ist auf der Suche nach einer vermögenden Braut. Aus der Glücksjagd wird eine Parkjagd, in deren Folge die Landschaftsgärten von Muskau und Branitz entstehen. Auch die Bewunderung für die feine englische Gesellschaft wird den Fürsten zeitlebens begleiten.

Theodor Fontane kommt zunächst als Tourist nach London, 1852 als freischaffender Feuilletonist, 1855 im Auftrag der preußischen Regierung. Seine journalistische Tätigkeit ist weitgehend unbekannt, doch sie bietet ein weites Feld für seine späteren Romane.

Die vorliegende Studie verbindet auf kurzweilige Art Biografisches mit Zeitgeschehen. Die Erlebnisse der beiden Protagonisten sind von überraschender Aktualität.

Prinz Constantin von Sachsen-Weimar-Eisenach

Prinz Constantin von Sachsen-Weimar-Eisenach

Florian Russi

Friedrich Ferdinand Constantin, der jüngere Bruder von Carl August

Er gehörte zu den wenigen Privilegierten des 18. Jahrhunderts, die in eine „goldene" Wiege gelegt wurden. Dennoch lag ein Schatten über seinem Leben, den der sensible Junge nie überwunden hat. Constantin kam am 08. September 1758 als zweites Kind der Herzogin Anna Amalia und ihres Mannes, Herzog Ernst August II. Constantin, Herzog von Sachsen-Weimar und Sachsen-Eisenach zur Welt. Seine Eltern hatten 1756 geheiratet, zu diesem Zeitpunkt waren die Braut 17, ihr Angetrauter 19 Jahre alt. Der kränkliche Herzog starb knapp zwei Jahre nach der Eheschließlung und zwei Monate vor Constantins Geburt.

So oblag die Erziehung seiner Mutter, der großartigen Anna Amalia. Sie bemühte sich, ihren beiden Söhnen die bestmögliche Bildung zukommen zu lassen und gewann dafür herausragende Geistesgrößen wie Martin Wieland und von Knebel. So wuchsen Constantin und sein Bruder Carl August im Geist einer gemäßigten Aufklärung auf, doch die Erziehung, die sie erfuhren, war höfisch steif und nicht kindgemäß. Die hochherrschaftliche Etikette ließ kaum Raum für mütterliche Zuwendung, innige Nähe, Sich-Gehen-Lassen, Ausgelassenheit, Flegeljahre. Auch vom zweitgeborenen Sohn wurde erwartet, dass er eine hervorragende Stellung in der Adelsgesellschaft anstrebte.

Doch Constantin erfüllte diese Erwartung nicht. Er litt unter seinem Bruder, der zum einen Thronerbe, zum anderen lebenstüchtiger  und zupackender war als er. Constantin lebte in sich gekehrt, widmete sich der Musik und ging Geselligkeiten so weit wie möglich aus dem Weg. Auch Goethe, der gelegentlich als Vermittler zwischen den Mitgliedern der herzoglichen Familie wirkte, fand keinen Zugang zu ihm. Als er sich in die nicht standesgemäße Carolin von Ilten verliebte, hintertrieben Mutter und Bruder und in ihrem Auftrag auch Goethe das Verhältnis. Er  blieb unverheiratet, zeugte aber später mit verschiedenen Frauen mehrere uneheliche Kinder.

Kenotaph für Prinz Constantin (1795) im Park von Schloss Tiefurter
Kenotaph für Prinz Constantin (1795) im Park von Schloss Tiefurter

Da er nicht Thronfolger war, blieb ihm nur eine militärische Karriere. Er trat 1784 in die Dienste des kursächsischen Herzogs Friedrich August III. (1750-1827) und wurde Generalleutnant und später Generalmajor. Als im Jahr  1793 nach der Hinrichtung König Ludwig XVI. durch die französische Revolutionsregierung mehrere europäische Staaten Frankreich den Krieg erklärten, zog Constantin mit seinem Regiment an die Kriegsfront. Dort starb er am 06. September 1793 zwei Tage vor seinem 35. Geburtstag in Wiebelskirchen, nicht im Feld, sondern im Lazarett. Man hatte den an Typhus erkrankten fälschlich gegen die Ruhr behandelt.

Zur Ironie der Geschichte gehört, dass aus eben diesem kleinen Ort Wiebelskirchen, heute ein Stadtteil von Neunkirchen im Saarland, der spätere DDR-Staatschef Erich Honecker hervorging.

Ab 1775 diente das romantische Tiefurter Schloss Constantin als Prinzenpalais. Dort, am Ufer der Ilm, ließ seine Mutter dem Toten ein Denkmal errichten. Constantins Grabstätte befindet sich in der Georgenkirche in Eisenach.

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Quellen:
- Charlotte Marlo Werner, Goethes Herzogin Anna Amalia, Droste Verlag, Düsseldorf 1996
- Karl Otto Conrady, Goethe, Leben und Werk, ppb Ausgabe, Patmos Verlag, Düsseldorf 2006

Foto "Kenotaph für Prinz Constantin": Rita Dadder

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