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Martin Schneider
Kennst du Leo Tolstoi?

Welche Persönlichkeit steckt hinter diesem großen Mann der russischen Literatur? Über das bewegte und gegensätzliche Leben Tolstois weiß dieses Buch zu erzählen. Zugleich stellt es einige ausgewählte Werke dieses großen Visionärs in Auszügen vor.

Die Federwischmühle

Die Federwischmühle

Der Sagenschatz längst vergangener Jahrhunderte bringt nicht nur ungeheuerliche Geschichten zum Vorschein. Nein, sie erinnert uns auch an verloren geglaubte Orte und an in Vergessenheit geratenes Brauchtum.

In früherer Zeit, als der heutige Sophienstift noch vor den Stadtmauern Weimars gelegen war, wurde dieser Platz nach dem dort weidenden Federvieh als „die Gänsewiese“ bezeichnet. Hier, an der Lotte, ließ einst die Federwischmühle ihr lustiges Klappern vernehmen. Eine im Volk dazumal bekannte Sage zu der längst vergessenen Mühle soll hier nun wiedergeben werden.

Carolin Eberhardt






Die Überlieferung erzählt zunächst von einem Müller, der, eigentümlicher Weise, darauf bestand, dass jeder seiner Mahlgäste aus den umliegenden Ortschaften Weimars, welcher in die Mühle gekommen sei, etliche Gänseflügel zum Reinigen der Mühle mitbringen und diese dann nach Gebrauch auch dort zurücklassen musste. Die als Federwische bezeichneten Flügel stapelten sich folglich alsbald vor der Mühle und gaben dieser ihren eigentümlichen Namen.

Die Nixe in der Ilm

ines Tages sollten diese Wische, man glaubt es kaum, die Mühle aus großer Gefahr erretten. Es trug sich nämlich zu, dass während des dreißigjährigen Krieges eine feindliche Rotte vor Weimar erschienen war und sich zwar nicht an die gutbefestigte Stadt gewagt, dahingegen die Federwischmühle, welche außerhalb der Mauern lag, umzingelte. Ob der drohenden Gefahr beschlossen der Müller und seine anwesenden Gäste aus Grunstedt, Gelmeroda und anderen Ortschaften, sich aufs äußerste zu verteidigen. Man bewaffnete sich mit Knüppeln, Ürten, Mistgabeln und band außerdem sich selbst, den Pferden, Eseln, Schweinen und Hunden, die sich in der Mühle befanden, unzählige Federwische an Köpfe und Gliedmaßen. Dann wurden plötzlich und unverhofft die Torflügel geöffnet und die verkleidete Schar stürzte nun unter ohrenbetäubendem Geschrei daraus hervor, auf die Feinde zu. Von großem Entsetzen gepackt glaubten die Eindringlinge von höllischen Heerscharen persönlich heimgesucht zu werden. So versuchten sich die feindlichen Gesellen in wilder Flucht hinter den Schwanseescheunen zu verstecken. Doch ihrem Unglück nicht genug näherte sich just in diesem Moment ein Trupp weimarfreundlicher Dragoner entlang der Erfurter Landstraße. Von den Feinden gelang nur wenigen die Flucht. Die Übrigen erlagen ihren Gegnern und wurden von diesen hingestreckt.

Gänsefeder Gänsefeder 2 Gänsefeder 3

Laut den Autoren Mitzschke erschien die Sage erstmalig im Weimarischen Volkskalender von 1870. Ebenso führen diese im Anhang an, dass sich auch der Weimarer Buchbinder Adam Henss in seiner Publikation Die Stadt Weimar (S.22, Nr. 21, 1837) mit der Geschichte der Federwischmühle auseinandersetzte. Dessen Ausführungen folgend sei die vorliegende Sage frei erfunden. Weimar habe während des dreißigjährigen Krieg weder einer Belagerung noch einer Einquartierung oder Plünderung gegenüber gestanden. Laut Henss handelt es sich weiterhin bei der Benennung der Mühle um den Familiennamen der einstmaligen Besitzer, der Familie Federwisch, welche dort dem Müllerhandwerk nachging.


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Textquelle:

In Anlehnung an: Mitzschke, Ellen; Mitzschke, Paul: Sagenschatz der Stadt Weimar und ihrer Umgegend, Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, 1904, S.50; nacherzählt von Carolin Eberhardt.


Bildquelle:

Vorschaubild: Federwischmühle, 1875 abgerissen und durch Sophienstift und Seminar ersetzt. Blick nach W, im Hintergrund Eckgebäude Erfurter und Heinrich-Heine-Straße; Wilhelm Hartan, Sammlung Magdlung K1-222 1, zur Verfügung gestellt von: Stephan Liebig.

Weiße Feder, 2012, Urheber: Clker-Free-Vector-Images via Pixabay CCO.

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