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Flammendes Leben

Jutta Hecker

Sehnsucht, Erfüllung und Katastrophe im Leben Johann Joachim Winckelmanns

Knabe Verlag Weimar, 01.12.2016

Jutta Hecker

Jutta Hecker

Klaus-Werner Haupt

Die Grande Dame der Stadt Weimar

Jutta Hecker wurde am 13. Oktober 1904 in Weimar geboren. Als jüngste Tochter des Philologen und späteren Direktors am Goethe- und Schiller-Archiv Professor Max Hecker (1870-1948) wurde sie früh an das literarische Erbe der Goethezeit herangeführt. So lernte sie namhafte Persönlichkeiten kennen, darunter den damaligen Archivdirektor Bernhard Suphan und die Leiterin des Nietzsche-Archivs Elisabeth Förster-Nietzsche. Nach ihrer Schulzeit am Sophien-Gymnasium, Rathenauplatz 1 studierte Jutta Hecker in München Anglistik und Germanistik. 1930 promovierte sie zum Thema „Das Symbol der Blauen Blume im Zusammenhang mit der Blumensymbolik in der Romantik“. Anschließend wurde sie freie Mitarbeiterin des Goethe- und Schiller-Archivs. Von 1935 bis 1937 schloss sich ein Pädagogikstudium in Jena an. Bis 1939 arbeitete Jutta Hecker als Studienassessorin in Hamburg, anschließend als Dozentin der Hochschule für Lehrerbildung in Schneidemühl (poln. Piła) und Direktorin der Lehrerinnenbildungsanstalt in Honnef.

In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 kehrte Jutta Hecker in ihre Heimatstadt zurück. Ihre Mutter war 1943 verstorben, ihr Bruder Wolfgang im Krieg gefallen. Mit ihrer Schwester Irmgard (1903-1991) kümmerte sie sich auf der Altenburg, Jenaer Straße 3 um ihren kranken Vater. Nach dessen Tod stand die anthroposophische Ärztin Dr. Irmgard Bosse (1899-1975) den Hinterbliebenen zur Seite.

Am Theaterplatz führte deren Ehemann, der Innenarchitekt Walter Bosse, ein Einrichtungsgeschäft. 1949 stieß Jutta Hecker dazu und wurde "akademisches Fräulein für alles". Die Arbeit an den Wirkungsstätten historischer Persönlichkeiten regte nicht nur zu Beiträgen für die Thüringische Landeszeitung an. Unter dem Titel Goethes letzte Lebenslese publizierte Jutta Hecker bisher unveröffentlichte Briefe des Dichters. 1956 war sie Mitherausgeberin des Katalogs zu Goethes Bibliothek und des Bandes 9 der Werke Goethes in der Bibliothek deutscher Klassiker. ( 1 )

Die Altenburg im Jahr 1859
Die Altenburg im Jahr 1859

1954 wurde der Gustav Kiepenheuer Verlag auf die Autorin aufmerksam. Jutta Hecker verdiente ihren Unterhalt nun als freie Schriftstellerin. Den Lesern „die Goethezeit im rein Menschlichen bekanntzumachen“, war ihr vornehmliches Anliegen. Bereits der Roman Die Altenburg. Geschichte eines Hauses (1955) wurde zu einem Bestseller. In der einst von dem Oberstallmeister Friedrich von Seebach erbauten Villa waren berühmte Persönlichkeiten ein und aus gegangen. Ab 1848 wohnte dort derKlaviervirtuose und Komponist Franz Liszt, bis 1911 der Archivdirektor Bernhard Suphan und ab 1932 die Familie seines Nachfolgers Max Hecker.

In ihren historisch-biografischen Büchern widmete sich die Autorin Johann Joachim Winckelmann, Johann Wolfgang von Goethe, Rudolf Steiner, Christoph Martin Wieland, Corona Schröter, Friedrich Schiller und Johann Peter Eckermann. Ihre Intention war, nicht zu fabulieren, sondern den Tatsachen zu entsprechen. „Ich wollte sie komponieren wie ein Musikstück mit veränderlichem Rhythmus und immer wiederkehrenden Motiven.“ Auf bewundernswerte Weise gelang Jutta Hecker die Balance zwischen Detailtreue und Fantasie. ( 2 )

Für ihr Jugendbuch Flammendes Leben (1956) und den Roman Traum der ewigen Schönheit. Der Lebensroman Johann Joachim Winckelmanns (1965) bekam sie 1988 die Winckelmann-Medaille der Stadt Stendal. Am 3. Oktober 1990 wurde Jutta Hecker als Erste mit dem Literatur- und Kunstpreis Weimars geehrt. 1994 erhielt sie die Ehrenbürgerwürde ihrer Heimatstadt, 1995 wurde sie mit der Goldenen Goethe-Medaille für ihr Lebenswerk geehrt. 2001 verlieh man ihr die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Liszt-Gesellschaft e. V. verliehen.

Der Grande Dame der Stadt Weimar war es vergönnt, bis ins hohe Alter in der Beletage der legendären Altenburg zu wohnen. Nach dem Tod der Schwester Irmgard wurde das Alleinsein immer beschwerlicher. Jutta Hecker übergab der Stadtbücherei die 5.700 Bände umfassende Bibliothek ihres Vaters, heute befindet sich die Max- und Jutta Hecker-Bibliothek im Stadtarchiv der Kulturstadt Weimar. Ab 1994 lebte Jutta Hecker in der Marie-Seebach-Stiftung, Tiefurter Allee, wo sie sich noch lange schriftstellerisch betätigte. Am 26. Juli 2002 verstarb sie. Die Grabstätte ihrer Familie befindet sich auf dem Weimarer Historischen Friedhof, südlich der Fürstengruft. ( 3 )

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Quellen:

( 1 ) Forschungsstelle Kulturimpuls Dornach

( 2 ) Völkel, Weber, Christiane: Vielen den Zugang zu der Wunderwelt des Worts geöffnet. In: Thüringer Landeszeitung vom 30. Juli 2002, S. 4

( 3 ) Völkel, Ulrich (Hrsg.): Weimarer Persönlichkeiten. Weimarer Verlagsgesellschaft 2016, S. 153-155

Abbildungsnachweis:

( 1 ) Porträt Jutta Heckers, Privatbesitz Frau Imke Claassen

( 2 ) Die Altenburg in Weimar, Unbekannter Künstler nach C. Hoffmann, Original von 1859. Foto: © Klassik Stiftung Weimar

Mein besonderer Dank gilt Frau Imke Claassen, der langjährigen Freundin Jutta Heckers, für ihre persönlichen Erinnerungen.