Weimar Lese

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Weimar-Skizzen
Wunderschöne Ansichten der Klassikerstadt - gezeichnet von Gerhard Klein (3. Aufl. 2010, erschienen im Bertuch Verlag).
Ein kleiner lis(z)tiger Gedanke…

Ein kleiner lis(z)tiger Gedanke…

Hannelore Wagner

...der alte Liszt und die junge Harfenistin


Musik war schon immer meine Leidenschaft. Spielte ich Klavier, war die Welt um mich herum vergessen. Vom Ehrgeiz gepackt, machte ich mich oft an viel zu schwierige Stücke. Mein Klavierlehrer, ein hervorragender Pianist, liess mir meist freie Hand bei der Auswahl der Stuecke. So wühlte ich mich durch Bach, Beethoven, Mozart, Schubert, Schumann, Chopin, Grieg und Schostakowitsch. Aber nie kam mir Liszt unter die Finger. Seltsam! Ob mein Klavierlehrer sich da nicht herantraute...?

Jahre vergingen, ich  zog nach Weimar - und da war Herr Liszt nicht nur in der Musik präsent: Nein - man konnte ihm in seinen Räumen am Park an der Ilm einen Besuch abstatten, dem Klang seines Bechsteinflügels lauschen, in den noblen Zimmern auf der Altenburg weilen und ihn in verschiedenen Altersstufen auf zahlreichen historischen Fotos betrachten. Ein zarter junger Mann, markantes Profil, erhobenes Haupt, energisch, selbstbewusst, eine wunderbare Haarpracht. Charismatisch soll er gewesen sein und immer von schönen Weibsbildern umgeben. Beim Betrachten der Bilder des alten Herren Liszt kommen mir dann aber leise weibliche Zweifel. Wohin würde ich ihn bei den vielen Hauterhebungen küssen wollen? Nö - muß nicht sein!  Aber da war doch etwas, was man mir als Zugereiste hinter vorgehaltener Hand zugeraunt hatte: Es soll da nämlich eine junge Dame gegeben haben, 19(!) Jahre jung, die das nicht gestört hatte. Aus dem Naehkaestchen geplaudert hoert sich dies dann in etwa so an: Ein gewisses Fräulein Ilona von Kovacic, Harfenistin der Großherzoglich-Weimarischen Hofkapelle bezauberte wohl u.a. mit ihrem Saitenspiel den Meister und der griff mit 71(!) Jahren - Männer, nicht neidisch werden - im schönsten Hotel Weimars, dem „Erbprinz", ebenfalls in die Sa(e)iten: das kleine Musenmädchen „Ilon(k)a" ward erschaffen. Heimlich brachte die glückliche(?) Mutter in Bad Reichenhall dieses Mägdelein zur Welt. Als spätere Friseursfrau Ilona Höhnel soll sie bis 1963 in Weimar gelebt haben, verbittert in Armut, beim hilflos-alleinigen Hereintragen ihrer Briketts gestorben und auf dem Hauptfriedhof schön abseits begraben worden sein. So berichten Personen, die sie noch gekannt haben. Kann man so etwas glauben? Das wäre ja eine Halbschwester von Cosima!! Nun ja - Weimar hält immer mal eine Überraschung bereit! Ich hätte zu gerne gewusst, Dichtung oder Wahrheit?

Egal - so oder so, Herr Liszt. Was ist das gegenüber dem, was sie der Menschheit geschenkt sowie für Weimar getan und wie Sie Menschen geholfen haben, in ihrer künstlerischen Laufbahn voranzukommen. Eine Blume auf Ihr Denkmal kann ich Ihnen nur auf die Füße legen, weil Sie so hoch, hoch  über mir stehen - aber zuzwinkern darf ich Ihnen doch. Ja? Sie wissen schon warum...!!

 

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Vorschaubild: Franz Liszt, gemeinfrei, Quelle: wikimedia commons