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Weimar-Skizzen
Wunderschöne Ansichten der Klassikerstadt - gezeichnet von Gerhard Klein (3. Aufl. 2010, erschienen im Bertuch Verlag).
Dorothea Maria von Anhalt

Dorothea Maria von Anhalt

Elisabeth Asshoff

Biographische Skizzen einer Weimarer Herzogin

 

Herzogin Dorothea Maria von Anhalt (geb. 1574 in Dessau, gest. 1617 in Weimar) war eine askanisch-anhaltinische Prinzessin. Sie stammt aus der zweiten Ehe des Fürsten Joachim Ernst von Anhalt mit der Herzogin Eleonore von Württemberg. Von 1586-1593 war sie Äbtissin des Stiftes Gernrode. Sie verließ 1593 das Stift, um eine Vermählung mit Herzog Johann III von Sachsen-Weimar einzugehen. Ihrem Gemahl Johann III gebar sie elf Söhne und eine Tochter.

Aus der Inschrift des Epitaphs, das für sie, ihren Gemahl und die 12 Kinder 1617 im Chor der Stadtkirche St. Peter und Paul in Weimar aufgestellt wurde, erfahren wir biographische Einzelheiten:

Sie engagierte sich nicht nur für etliche soziale Projekte. Ihr Herzensanliegen war die Förderung der Bildung und zwar nicht nur die ihrer Kinder, sondern besonders auch die ihrer Untertanen. Vier Jahre vor ihrem Ableben lud sie den Pädagogen Wolfgang Ratichius nach Weimar ein, um seine neue sehr gerühmte Unterrichtsmethode kennen zu lernen. Diese fand großen Beifall bei ihr und ihrer Umgebung. Auf ihre Initiative hin wurde die neue Methode von Professoren der Universität Jena und Gießen begutachtet, die ebenso von ihr sehr angetan waren. Nachdem die Hochschullehrer von Jena und die Lehrerschaft von Weimar verpflichtet worden waren, sich diese neue Methode anzueignen, wurde sie im ganzen Land verbreitet. Auch ihre jüngeren Kinder wurden danach unterrichtet. Mit ihrer Hilfe erlernte sie die hebräische Sprache.

Das imposante Epitaph in der Stadtkirche ließ sie noch bei voller Gesundheit ausführen. Doch kaum war es vollendet, stürzte das vor einem am Ufer der Ilm sitzenden Menschen scheuende Pferd und fiel mit der Herzogin in den Fluss. An den Folgen dieses Reitunfalls starb die Herzogin wenige Wochen später. Sie war 43 Jahre alt geworden.

Anlässlich der Trauerfeierlichkeiten nutzte Fürst Ludwig I von Anhalt-Köthen das Treffen mit Gleichgesinnten, die „Fruchtbringende Gesellschaft" zu gründen.

In der Rezeptionsgeschichte fand die Herzogin ihren Platz im Gothaer Sagenschatz. Danach ist der Geist der verstorbenen Dorothea Maria - sie war die Mutter des Schlosserbauers Ernst I von Sachsen-Gotha-Altenburg - jedes Mal aus der Gruft unter der Schlosskirche emporgestiegen, wenn ein Unglück drohte. Wehklagend wandelte sie durch die Räume des Schlosses und gab sich allerdings nur dem zu erkennen, dem das Ungemach drohte. (Andreas M. Cramer, Die Gothaer Sagen, Gotha 2005 )

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Der Originaltext des Epitaphiums ist abgedruckt in der Juli-Ausgabe des „Schaukastens", des Gemeindeblatts der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Weimar.

 Bildquelle:

Porträt Dorothea Marias von Anhalt, Gemeinfrei, Wikipedia