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Buchempfehlung:

Weihnachten bei Familie Luther

Christoph Werner

Luthers jüngster Sohn erzählt vom Christfest

Paul Luther, der jüngste Spross der Lutherfamilie, gewährt dem Leser Einblick in sein Leben und das seiner Familie.
Er berichtet von seiner Kindheit in Wittenberg und der Krankheit seines Vaters, von seiner Verwicklung, die ihm als Leibarzt widerfuhren, und von den Intrigen am Gothaer Hof. Reichlich illustriert öffnen sie dem Leser die Tür zur Weihnachtsstube der Familie Luther.

Marbod Gerstenhauer
Die Bombe sollte wohl Goethes Gartenhaus treffen. Doch fiel sie mitten in den Brunnen des sich oberhalb befindlichen Anwesens. Von dort löste sie eine Druckwelle aus, die das Dach des dazu gehörigen Hauses davon wehte. Es war das Geburtshaus von Marbod Gerstenhauer, dessen Familie sich an diesem Tag im Februar 1945 glücklicherweise nicht darin aufhielt.
Ein „Weltkulturerbe der Menschheit" war noch unbekannt und die amerikanischen Flieger, die gegen Ende des 2. Weltkrieges das wehrlose Weimar angriffen, wollten die Stadt dafür bestrafen, dass sie trotz des Erbes des klassischen Humanismus zu einer Hochburg nationalsozialistischer Gewaltherrschaft geworden war. Mit dem Dach flogen auch einige Kisten, die wertvolles Gut bargen, ins freie Gelände.
M. Gerstenhauer
M. Gerstenhauer
Marbods Vater, ein bekannter Weimarer Arzt, hatte Zinnfiguren gesammelt. Was er später in seinem Garten verstreut noch davon vorfand, verstaute er in einer Marinekiste und beförderte sie unter das rekonstruierte Dach seines Hauses. Dort lagen die Schätze unberührt, bis eines Tages der damals achtjährige Sohn sie entdeckte, mit den Zinnfiguren zu spielen begann und eine Leidenschaft für sie entwickelte. Den Vater plagten nach dem Krieg andere Sorgen als „ach, die alten Zinnsoldaten" und so überließ er die verbliebenen Reste seinem Sohn. Den Angriff überlebt hatten vor allem Figuren von Buren und Zulus aus der Kolonialgeschichte. Marbod hielt sie für Cowboys und Indianer und spielte unbefangen mit ihnen. „Kriegsspielzeug" war zu dieser Zeit streng verpönt. Zugleich las er mit Begeisterung Romane für Kinder und stellte vieles von dem Gelesenen anschließend mit seinen Zinnfiguren nach.
Der Zufall wollte es, dass Marbod Gerstenhauers Patenonkel inzwischen in der Nähe von Kiel ansässig geworden und ebenfalls Sammler von Zinnfiguren war. In Kiel gab es eine bedeutende Produktionsstätte von Zinnfiguren und wann immer der Onkel einen Anlass sah, seinem Neffen etwas zu schenken, schickte er in einem Paket Kieler Zinnfiguren. Nicht jede Sammlung kam beim Adressaten an. Etwa jede zweite enthielt den Zollvermerk „Inhalt in Teilen entnommen, weil Kriegsspielzeug". Wohin er gelangt war, wurde von den DDR-Behörden nicht mitgeteilt.
M. Gerstenhauer
M. Gerstenhauer

 

 

Heute zählt Marbod Gerstenhauers Kieler Sorten Zinnfigurensammlung zu den bedeutendsten weltweit. Die beiden, von Dr. Egon Krannich herausgegebenen Fachbücher über die Kieler Zinnfiguren zeigen zahlreiche Objekte Gerstenhauers und die abgebildeten Originalpackungen stammen fast ausschließlich aus seiner Sammlung.

In den 90´er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die fabrikbemalte Produktion der Kieler Zinnfiguren in Sorten-Packungen eingestellt. Die offizielle Sortimentsliste eines früheren Firmenchefs weist 1680 verschiedene, nach Themen geordnete Packungen aus. Noch fehlen einige davon in Gerstenhauers Sammlung, obwohl er regelmäßig Auktionsangebote verfolgt. Seine Sammlung ist zugleich aber auch umfassender als die „Kieler Liste", weil dort nicht diejenigen Spezialanfertigungen geführt sind, die nach dem Wünschen einzelner Kunden angefertigt wurden. Gerstenhauer hat auch davon eine größere Anzahl erwerben können, so u. a. eine Packung mit Weimarer Husaren (Stadtsoldaten).
M. Gerstenhauer
M. Gerstenhauer
Auf die Frage, wie er seinem Hobby zu DDR-Zeiten hatte nachgehen können, ist er voll des Lobes für Erwin Ottmann, den damaligen Chef der Kulturredaktion der inzwischen eingestellten „Thüringer Neuesten Nachrichten". Der war selbst ein Zinnfigurenfreund und förderte den jungen Sammlerkollegen auf vielen Ebenen. Gerstenhauer wurde Mitglied im staatlich geförderten Kulturbund und Vorsitzender der Gesellschaft für Heimatgeschichte, Zentraler Fachausschusses Zinnfiguren, des Bezirkes Erfurt. Das brachte ihn mit vielen, auch ausländischen, Sammlern in Verbindung.
Wichtigster Zinnlieferant für die ehemalige DDR war Bolivien, und als ein hoher bolivianischer General auf Staatsbesuch nach Weimar kam, wurde Gerstenhauer gebeten, ihm seine private Sammlung vorzustellen. Der Staatsgast erschien ordenbehängt mit Dolmetscher und Begleitpersonal in seiner Wohnung. Da Gerstenhauer ihn nicht sympathisch fand, zeigte er ihm nur einen kleinen Teil seiner Figuren und stattdessen seine Sammlung von Fotos. Die steckte der General kurzerhand ein und nahm sie mit sich. So befinden sich viele Dokumente aus Gerstenhauers Sammlertätigkeit heute möglicherweise in Bolivien.
M. Gerstenhauer
M. Gerstenhauer

Marbod Gerstenhauer ist inzwischen leitender Ingenieur in einer Fabrik für Innentüren in Ichtershausen bei Arnstadt. Sie gehört zu den Thüringer Erfolgsmodellen und ist in ihrer Sparte die Zweitgrößte weltweit. Seinem Zinnfiguren-Hobby ist er mit den Zinnfigurenfreunden Weimar weiter eng verbunden und übernimmt die Leitung verschiedener Zinnfiguren - Ausstellungen in Museen und privaten Einrichtungen. Er ist ein gefragter Fachreferent und Gutachter und organisiert regelmäßig Schulungen über das Herstellen und Bemalen von Zinnfiguren.