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Karlheinz Fingerhut 
Kennst du Franz Kafka?

Was für ein komischer Kauz muss dieser Kafka wohl gewesen sein, dass kaum ein Lehrer so recht weiß, wie ihn vermitteln. Dabei ließen sich Kafkas Texte mit Träumen vergleichen, und die kennt doch jeder.
Karlheinz Fingerhut ermöglicht in diesem Buch einen leichteren Zugang zum Menschen Kafka und zu seinen teils verwirrenden Werken.

Rainer Maria Rilke

Rainer Maria Rilke

Daniel Krüger

Von Rilke, Dichter, Sprachzauberer, einige Jahre Sekretär des französischen Bildhauers Auguste Rodin, über längere Zeit Geliebter der Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé und in jüngeren Jahren k. u. k. Militärschüler, sind in der Zeit von 1910 - 1913 drei Weimarbesuche festgehalten. Dabei traf er u. a. mit dem Diplomaten, Schriftsteller, Chronisten und Kunstförderer Harry Graf Kessler zusammen.
Rilke fand Weimar „sehr schön" und konnte, wie er in einem Brief an seine Schwester schrieb, „sich vorstellen, dort eine Zeit lang zu wohnen und zu arbeiten".
Von 1928 - 1949 beherbergte Weimar das von seiner Tochter Ruth mitgegründete Rilke-Archiv, das heute im badischen Gernsbach beheimatet ist.
Der Rilke-Experte Horst Nalewski schreibt über den Dichter¹:

Rilkes Leben umfasst eine relativ kurze Zeitspanne: Er wurde nur 51 Jahre alt. Geboren am 4. Dezember 1875 in Prag, gestorben am 29. Dezember 1926 in Val-Mont, in der Schweiz. In seine Lebenszeit fielen das ungeheuere Ereignis eines vier Jahre währenden ersten Weltkriegs, europäische Revolutionen, Konterrevolutionen, Putsche, Inflation, soziale Verelendung und die Anfänge des Faschismus.
Die Summe seines Nachdenkens über das Wesen des Dichters, das freilich nur das Nachdenken über sein eigenes sein konnte, seinen Dichterauftrag, erscheint in der folgenden Strophe aus dem Jahr 1921.
Allerdings ist es die Strophe eines der bedeutendsten Dichter deutscher Sprache.

„Der Dichter einzig hat die Welt geeinigt,
die weit in jedem auseinander fällt.
Das Schöouml;ne hat er unerhört bescheinigt,
doch da er selbst noch feiert, was ihn peinigt,
hat er unendlich den Ruin gereinigt:
und auch noch das Vernichtende wird Welt."

Das Frühwerk Rilkes, also etwa das der Jahre von 1895 bis 1905, übertrifft an Umfang das nachfolgende, also das der Zeit von 1905 bis 1926, um mehr als das Doppelte! ...

Robert Schumann, einer der bedeutendsten deutschen Komponisten der Romantik, gleichzeitig Musikschriftsteller, schrieb einmal: „Man betrachtet Jugendwerke von gewordenen Meistern mit ganz anderen Augen als die, die an sich ebenso gut, nur versprachen und nicht hielten."
Rilke „versprach" etwas mit seinem „Jugendwerk" und, wer das „Meisterwerk" dann kennt, wird wissen, wie ungemein dieses Versprechen „gehalten" wurde...

Sodann gibt es die vielen Briefe. Ca. 12000 hat Rilke in der doch relativ kurzen Zeit seines Lebens geschrieben, und er gehört damit zu den großen Briefschreibern des Jahrhunderts mit Franz Kafka, Thomas Mann und Hermann Hesse.
Schließlich das lyrische Spätwerk. Die möglicherweise befremdlichen Titel der beiden Sammlungen (Zyklen) von 1922/23 sollen wenigsten genannt werden: die Duineser Elegien und Die Sonette an Orpheus. Sie waren es ja vor allem, die den österreichischen Roman-Autor Robert Musil Anfang 1927, anlässlich einer Gedenkfeier für Rilke, zu dem einzigartig rühmenden Urteil veranlassten: „Warum wir heute zusammenkommen: weil wir den größten Lyriker ehren wollen, den die Deutschen seit dem Mittelalter besessen haben!"

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¹Horst Nalewski: „Kennst du Rainer Maria Rilke?" Bertuch Verlag Weimar, 2005

Zeichnung: Ausschnitt aus einer Karikatur von E. Orlik