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Karlheinz Fingerhut 
Kennst du Franz Kafka?

Was für ein komischer Kauz muss dieser Kafka wohl gewesen sein, dass kaum ein Lehrer so recht weiß, wie ihn vermitteln. Dabei ließen sich Kafkas Texte mit Träumen vergleichen, und die kennt doch jeder.
Karlheinz Fingerhut ermöglicht in diesem Buch einen leichteren Zugang zum Menschen Kafka und zu seinen teils verwirrenden Werken.

Friedrich Nietzsche

Friedrich Nietzsche

Daniel Krüger

Nietzsche-Archiv
Nietzsche-Archiv
Nach seinem körperlichen und geistigen Zusammenbruch im Jahr 1889 wurde der Philosoph Friedrich Nietzsche 1897 von seiner in Weimar lebenden Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche in Obhut genommen. Bis zu seinem Tod am 25.08.1900 verbrachte er seine Tage in der „Villa Silberblick" in der Luisenstraße (heute Humboldtstraße) 36 in Weimar. Die Villa beherbergt heute das von seiner Schwester gegründete Nietzsche-Archiv.

Der Nietzsche-Biograph Rüdiger Safranski¹ zitiert in seinem Buch den Philologen und Philosophen August Horneffer (1875-1955), der Nietzsche wenige Monate vor dessen Tod erstmals besuchte und später an der Herausgabe seines Nachlasses mitwirkte:

„Wir haben ihn freilich in seinen gesunden Tagen nicht gekannt, sondern erst als Kranken im letzten Stadium der Paralyse gesehen. Trotzdem gehören die Minuten, die wir in seiner Gegenwart weilten, zu den wertvollsten Erinnerungen unseres Lebens (...) Trotzdem die Augen erloschen und die Züge erschlafft waren, trotzdem der Arme mit gekrümmten Gliedern dalag und hilfloser als ein Kind war, ging ein Zauber von seiner Persönlichkeit aus und offenbarte sich eine Majestät in seiner Erscheinung, wie ich es nie wieder bei einem Menschen empfunden habe."

Bei Florian Russi² finden wir folgendes Kurzportrait von Nietzsche:

„Zu den einflussreichsten Philosophen zählt der in Röcken (Sachsen-Anhalt) geborene Friedrich Nietzsche (1844-1900). Nietzsches Grundthese war, dass Leben und Welt ohne Sinn seien (Nihilismus). Gott sei von den Menschen geschaffen worden, um der Welt einen Sinn und einen Anspruch zu verleihen. Das Christentum sei eine Religion der Schwachen und für die Schwachen. Nachdem aber nun erkannt worden sei, dass „Gott tot ist", habe nur der starke und rücksichtslose Übermensch die Chance, sich durchzusetzen und an die Stelle des bisherigen Gottes zu treten. Diese Selbstbefreiung des Übermenschen bestimmt die zukünftige Welt. Es gibt darin keine Wahrheit, keine Falschheit, nicht Gut und nicht Böse. Es zählt allein die Macht des Stärkeren.
Nietzsches Thesen wurden von den Nationalsozialisten aufgegriffen, um deren Vorstellung vom „arischen Herrenmenschen" philosophisch zu untermauern. Das hat dazu geführt, Nietzsche als geistigen Wegbereiter der Naziherrschaft zu sehen. Dieser hat jedoch nicht einem Rassismus das Wort geredet. Wie immer man zu ihm steht - bis heute zeigen einige seiner Gedanken in- und außerhalb Deutschlands beträchtlichen Einfluss."

Rüdiger Safranski schließt seine o. b. Biographie mit folgendem Nietzsche-Bild:

„Beim Schreiben dieses Buches habe ich ein Bild Caspar David Friedrichs vor Augen gehabt: „Der Mönch am Meer." Da steht jemand allein am Ufer vor einem ungeheuren Horizont aus Himmel und Meer. Lässt sich dieses Ungeheure denken? Wird nicht jeder Gedanke wieder aufgelöst von der Erfahrung des Ungeheuren? Nietzsche war ein solcher Mönch am Meer, das Ungeheure immer im Blick und immer bereit, das Denken im Unbestimmbaren untergehen und es wieder mit neuen Gestaltungsversuchen beginnen zu lassen. Sollen wir das festgegründete Reich der Vernunft verlassen und aufs offene Meer des Unbekannten hinausfahren, hatte Kant gefragt und dafür plädiert, hier zu bleiben. Nietzsche aber war hinausgefahren."

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¹ Rüdiger Safranski: Nietzsche-Biographie seines Denkens, Hanser Verlag, München-Wien 2000.
² Florian Russi: Worauf wir stolz sein können, Bertuch Verlag, Weimar 2004.