Weimar Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.weimar-lese.de
Unser Leseangebot

Arno Pielenz
Kennst du Heinrich von Kleist?

"... mein Leben, das allerqualvollste, das ein Mensch je geführt hat." So schrieb Heinrich von Kleist an eine seinem Herzen nahe stehende Verwandte wenige Stunden, bevor er sich mit seiner Todesgefährtin am Wannsee erschoss.

Friedrich Wilhelm Josef Schelling

Friedrich Wilhelm Josef Schelling

Daniel Krüger

Zusammen mit drei weiteren sächsisch-thüringischen Herzogtümern leistete sich das kleine „Sachsen-Weimar-Eisenach" in Jena eine eigene Universität. Sie gehörte zu den führenden Hochschulen in Deutschland. Unter ihren Professoren finden sich viele bedeutende Namen. Jena war ein Zentrum der Geisteswissenschaften, Geburtsstätte des „deutschen Idealismus", Schule für die Kultur- und Stilrichtung der Romantik.
In Jena nahm mit der Gründung der Urburschenschaft das deutsche Verbindungswesen seinen Ausgangspunkt. Von hier aus erfolgten - manifestiert im Wartburgfest - wichtige Impulse für die Einheit Deutschlands und die demokratisch-freiheitlichen Bürgerbewegungen in den deutschen Ländern.

Der Mann, der für seinen Herzog Karl August die Universität mitbestimmte und förderte, war Johann Wolfgang von Goethe. Zu denen, deren Berufung nach Jena maßgeblich von ihm beeinflusst wurde, zählt der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling. Wie sehr ihn Goethe als Gesprächspartner schätzte, geht daraus hervor, dass er ihn zum Jahreswechsel 1800/1801 in sein Haus nach Weimar einlud und in kleinem Kreis mit ihm den Übergang zum 19. Jahrhundert beging.

Schelling war mehrmals im Haus am Frauenplan zu Gast und oft trafen und besprachen sich der Philosoph und der Minister auch in Jena, wohin Goethe sich häufig zum wissenschaftlichen Arbeiten zurückzog. Goethe bezeichnete Schelling als „das vorzügliche Talent, das wir lange kannten und verehrten".

Umso mehr bedauerte er, dass Schelling im Jahr 1803 eine Berufung nach Würzburg annahm. Zu den Gründen Schellings mag gehört haben, dass der so fruchtbare Freundschaftsbund zwischen ihm, Fichte, Hegel und Schlegel zerbrochen war, dass Schlegel ihm verübelte, dass er mit dessen Frau ein Verhältnis begonnen hatte und dass ein weiterer bedeutender Kollege, Friedrich Schiller, eben diese Frau „Dame Luzifer" zu titulieren beliebte.

In dem Buch „Worauf wir stolz sein können" skizziert Florian Russi den 1812 in München geadelten Schelling so:

Neben Hegel und Fichte war der im württembergischen Leonberg als Sohn eines pietistischen Pfarrers geborene Friedrich Wilhelm Josef von Schelling (1775-1854) einer der Hauptvertreter des deutschen Idealismus. Den philosophischen Idealisten ging es wesentlich um die Frage, was in der Welt objektiv und unabdingbar und was frei und gestaltbar sei. Schelling vertrat zunächst die These, dass innerhalb des grundsätzlich Feststehenden und Absoluten die Philosophie die Wissenschaft der Freiheit sei („Der Anfang und das Ende aller Philosophie ist Freiheit"). Aufgabe der Philosophie sei es, Natur und Notwendigkeit mit Freiheit in Übereinstimmung zu bringen, da diese ursprünglich identisch gewesen seien. In seinen späteren Jahren setzte er immer mehr Gott und den von Spinoza übernommenen Begriff der Substanz an die Stelle der Natur und des Absoluten. Menschliche Freiheit besteht nun darin, Gott bzw. die Substanz zu erklären und (partiell) nachzuvollziehen („Die wirkliche Freiheit besteht in der Vereinigung mit der Notwendigkeit"). Im Alter begann er damit, seinen früheren Freiheitsbegriff gänzlich zu relativieren und rückte immer mehr in die Nähe eines philosophischen Fatalismus. Nun postulierte er die Identität aller Dinge mit der zentralen Substanz (Gott - wobei dieser nicht als christlicher Gott gekennzeichnet ist). Gegen Schellings Philosophie lässt sich manches einwenden. Sie hatte jedoch großen Einfluss auf die kulturelle Epoche der Romantik und auf viele weitere europäische Denker.

----------

Literatur:
Klaus Günzel: „Viele Gäste wünsch ich heut' mir zu meinem Tische": Goethes Besucher im Haus Frauenplan, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1999
Florian Russi: „Worauf wir stolz sein können", 2. Auflage, Bertuch Verlag, Weimar, 2005

Bild: Gemälde von Christian Friedrich Tieck, ca. 1800