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Erbsensoldaten

Florian Russi


Von Zwergen, Zauberern und Krabat. Märchen und Sagen aus der Lausitz
Lustige, spannende, fantasievolle Märchen über Zwerge, den Zauberer Krabat und den Müllergesellen Pumphut sind hier versammelt. Wunderbare Schwarz-Weiß-Illustrationen begleiten den Leser durch die abenteuerliche Welt der sorbischen Fabelwesen.

Chronist des Weimarer Fürstenhofs
Als „deutscher Herodot" ist der Jurist- und Historienschreiber Karl Eduard Vehse bezeichnet worden. Das war ein Lob und eine Einschränkung zugleich. Der Grieche Herodot von Halikarnass, der im 5. Jahrhundert v. C. lebte, gilt als „Vater der Geschichtsschreibung" (Cicero). Vieles, was in unseren Geschichtsbüchern steht, wurde uns nur von ihm überliefert. Allerdings waren die Quellen, über die er verfügte, noch recht dürftig. Er war im Wesentlichen auf eigene Erfahrungen, mündliche Berichte von Zeitzeugen und Überlieferungen angewiesen. Kritiker sehen daher viele seiner Historien als nicht ausreichend belegt und möglicherweise auch frei erfunden an.
Karl Eduard Vehse dagegen hatte Zugang zu einem umfangreichen Quellenmaterial. Er war von 1825 bis 1839 Archivar am Dresdner Staatsarchiv, eines der zu Beginn des 19. Jahrhunderts größten Quellensammlungen in Deutschland. Manches, was er niederschrieb, klingt anekdotisch und klatschsüchtig. Was nun? Zum Verständnis historischer Persönlichkeiten und Ereignisse gehören auch die Beiwerke und scheinbaren Nebenschauplätze. Figuren wie Alexander der Große, Napoleon oder Hitler lassen sich nicht nur über ihre Feldzüge und diplomatischen Winkelzüge verstehen.
Herodotfigur (Wien)
Herodotfigur (Wien)
Wenn Herodot von Riesenameisen berichtete, die in Indien nach Gold gruben, so zeigt uns dies, dass wir nicht alles, was uns mitgeteilt wird, auch glauben können. Auch Vehse konnte nicht alles persönlich wissen und belegen. Im Vorwort zu seinen Weimarer Hofgeschichten verweist er sehr glaubwürdig darauf, dass er sich auf Dokumente, Korrespondenzen, Tagebücher und Memoirren gestützt habe. Was ihm mündlich berichtet wurde, habe er „nicht sofort auf treu und glauben angenommen", sondern mit den Aussagen anderer Augen- und Ohrzeugen verglichen. Danach habe er die innere Wahrscheinlichkeit „der einzelnen Fakten nach der Situation der Umstände und Verhältnisse und ganz besonders nach den Charakteren der handelnden Personen" geprüft.
Martin Stephan (1777-1846)
Martin Stephan (1777-1846)
Vehse war ein außergewöhnlicher Mann. Geboren am 18. Dezember 1802 in Freiberg bei Dresden besuchte er zunächst Vorlesungen an der Bergakademie seiner Heimatstadt und absolvierte dann in Leipzig und Göttingen ein Jura-Studium, das er mit der Promotion abschloss. Mit 23 Jahren erhielt er eine Anstellung am Geheimen Staatsarchiv in Dresden. 14 Jahre später schloss er sich dem Dresdner Pfarrer, Buß- und Erweckungsprediger Martin Stephan an, der mit 700 seiner Anhänger in die USA auswanderte. Vehse kehrte jedoch bald wieder zurück und ließ sich 1849 in Berlin nieder, wo er als freier Historiker arbeitete. Dort begann er mit der Abfassung seines bedeutendsten Werks, der „Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation", erschienen 1851 - 1858 in 48 Bänden.
Darunter nimmt der Weimarer Fürstenhof eine herausragende Stellung ein. Im Vorwort schrieb Vehse, „Nächst dem Berliner Hofe gibt es keinen Hof in Deutschland, dessen wir Deutsche uns dem Ausland gegenüber mit gerechterem Selbstgefühl berühmen könnten, als den Hof von Weimar".
Vehses Historien erlangten eine große Verbreitung beim Lesepublikum, wurden jedoch in fast allen deutschen Fürstentürmern verboten. Es war die Zeit der Restauration und Reaktion. Die absolutisch regierenden Fürsten nahmen Anstoß an den von Vehse beschriebenen Skandalgeschichten. Vehse war liberaler Demokrat und wurde deswegen auch politisch verfolgt. Wegen Beleidigung des mecklenburgischen Hezogs Wilhelm wurde er zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
Heinrich Heine erklärte, dass er „die Bände von Vehse mit der größten Gier" durchgelesen habe. Dennoch gerieten sie nach Vehses Tod bald in Vergessenheit. Dieser starb erblindet am 18. Juni 1870 in Striesen, einem heutigen Stadtteil von Dresden.
 
Heute werden die Hofgeschichten wieder entdeckt. Der Band „Der Hof zu Weimar privat - von Herzog Wilhelm bis zur Goethezeit" ist 2011 im Kölner Anacondaverlag neu erschienen. 

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Bildquellen:

Herodotfigur (Wien), gemeinfrei

Martin Stephan (1777-1846), gemeinfrei