Lese-Reihe

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Weimar-Skizzen
Wunderschöne Ansichten der Klassikerstadt - gezeichnet von Gerhard Klein (3. Aufl. 2010, erschienen im Bertuch Verlag).
Hotel Elephant
1542 erstmals urkundlich erwähnt, gehört der Elephant zu den ältesten Gasthäusern Deutschlands. Ob allerdings die Betten schon damals so weich und das Essen so schmackhaft waren, darüber können wir heute nur spekulieren. Fakt aber ist, dass sich im Laufe der Jahrhunderte die „Promis" die Klinke in die Hand gaben und sich die Gästeliste liest wie ein „Who is Who" der Eliten. Wer nach Goethe, Schiller, Herder und Wieland fragte, wurde kurzerhand in den Elephanten geschickt. Hier plauderten, tranken und tafelten all die Großen ihrer Zeit, gingen Bauhauskünstler ein und aus.
Hotel Elefant
Hotel Elefant
1937 wurde das Haus auf direkten Befehl von Adolf Hitler bis auf den historischen Gewölbekeller, wo, wie man sich so erzählt, Goethe angeblich intensiv seiner Leidenschaft für den Madeira gefrönt haben soll, abgerissen. Nur ein Jahr später durch den Architekten Hermann Giesler neu aufgebaut, setzte der Elephant ganz neue Maßstäbe: Unter anderem mit einem Autolift zum Parkhaus versehen, galt er als eines der modernsten Hotels Europas. Der Balkon an der Vorderfront des Hauses ist übrigens eigens für Hitler geschaffen worden.

Nach dem 2. Weltkrieg lange geschlossen, wurde das Hotel durch Thomas Mann aus seinem Dornröschenschlaf wieder wach geküsst. Er wünschte nicht nur hier zu wohnen, sondern ließ auch gleich seine „Lotte in Weimar" ihr zartes Köpfchen auf die Hotelkissen betten. Und wer Lily Palmers Köpfchen kennt, kann sich lebhaft vorstellen, wie ausnehmend dekorativ dies ausgesehen haben könnte ... Ihr gefolgt sind noch viele bekannte, nicht zu übersehende bzw. zu überhörende Gäste, so zum Beispiel auch Rocklegende und Honeckerschreck Udo Lindenberg. Da die Weimarer Straßennamen schon an „Promis" etwas anderer Couleur vergeben waren, hat man im Elephanten kurzerhand ein Zimmer nach ihm benannt: die „Udo-Lindenberg-Suite".

Na dann, „Gute Nacht, Weimar". Und setzt schön den Hut ab bevor ihr in Weimars weiche Kissen sinkt !


Karla Augusta

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Foto: Florian Russi